Mittwoch, 16. Januar 2008
Causa "Cervanova" INTERVIEWS: Juraj Lachman
Warum haben sie gegen die Anderen und sich in den Jahren 1981-1983 falsch ausgesagt? Warum haben sie bezeugt dass diese Männer aus Nitra Mörder sind?
Im Prinzip war es so, dass sie mich genommen haben und ich von Nichts gewusst hab. Ich hatte quasi eine andere Straftat in dieser Zeit am Hals, sozusagen katholischen Charakters. Die Geheimpolizei (STB) hat mir gedroht, dass ich eine Straftat gegen die Gesetze der sozialistischen Republik begehe. Und als die Ermittler von der Polizei kamen, haben sie mir Aufnahmen von den Mitbeschuldigten vorgespielt. In den Fragmenten von diesen Audio-Aufnahmen haben sie mir einen Beweis präsentiert, dass ich zusammen mit den Anderen damals auf irgendeiner Party war.
Wie ist es dazu gekommen?
Am Anfang waren es harmlose Fragen, weil ich in der Zeit öfters in Bratislava war und in Bratislava sein konnte. Danach habe ich gestanden, dass ich möglicherweise zu dieser Zeit in Bratislava war, weil nichts darauf hingewiesen hatte, dass ich mich in so einen schweren Fall verwickle. Und dann nacheinender ist noch anderes dazu gekommen, ob ich an diesem bestimmten Tag dort war - ich habe gefragt: „Wie soll ich es nach so vielen Jahren wissen, ob ich an dem Tag dort war?“ sie haben weitergemacht: „…Wenn du es nicht weißt, könntest du doch an diesem Tag vielleicht doch dort gewesen sein.“ Also habe ich gestanden, dass ich möglicherweise dort war, und so hat es sich gesteigert. Zum Schluss haben sie mir die erwähnten Audio-Aufnahmen von Zeugenaussagen der Kronzeugin vorgespielt, die angeblich belegten, dass ich in dieser Gesellschaft und bei diesen Geschehnissen dabei war. Also bin ich dadurch in diese Sache verwickelt worden und es war sehr schwierig da wieder raus zu kommen. Und wie ich schon vorher gesagt habe hatte ich außer diesen Verhören noch andere Verhöre gehabt, die zu anderen Zeitpunkten und durch die Staatsicherheit (Geheimdienst) geführt wurden.
Sie haben am Anfang nie die „Eine Sache“ mit der „Anderen“ in den Zusammenhang gebracht. Die Geheimpolizisten haben mich der „Gefährdung der Republik“ beschuldigt, weil ich mich angeblich in Prag mit einer katholischen polnischen Gruppierung treffen sollte, in den Kneipen „U Fleku“ und „U Pinkasu“, wo ich Material von einigen Menschen angeblich übernommen habe und nach Nitra gebracht habe. In Nitra sollte ich angeblich die Distribution gewährleisten sollte. Es war in dieser Zeit eine sehr gravierende Straftat, weil es als Staatsverrat angesehen wurde, was eine höhere Strafe bedeutete, als dieser Fall. Für Staatsverrat würde ich 10-15 Jahre im schlimmsten Gefängnissen kriegen. Sie hatten Beweise, weil sie im Keller des Hauses meiner Eltern Cyklostylalkohol gefunden haben, was Ähnliches wie eine Laserkopierflüssigkeit. Man könnte Material damit vervielfältigen. Ich hatte eine eigene Wohnung aber sie haben eine Hausdurchsuchung bei meinen Eltern gemacht, weil dieses Gerät dort war. Also vielleicht hätte ich sogar meine Eltern mit hineingezogen.
Es heißt dass sie von der Polizei zum Fall „Cervanova“ und gleichzeitig vom Geheimdienst zum Staatsverrat verhört wurden?
Ich kann nicht beweisen, dass sie mich schließlich erpresst haben, weil es in den damaligen und in den jetzigen Akten nicht erwähnt ist. Die Verhöre waren von anderen Menschen getätigt. Somit bin ich in diese Situation geraten. Man muss aber sagen, vor dem Gerichtsurteil 1983 am Obersten Gerichtshof, wo man Todesstrafen verlangte, habe ich deutlich vor dem Senat ausgesagt, dass ich nie Jemanden vergewaltigen und morden gesehen habe.
Sie wurden dann aber wegen dem Fall Cervanova verhaftet?
Aufgrund der Tatsache, dass ich auch wegen Staatsverrat angeklagt werden könnte haben sie mich unter enormen Druck gesetzt. Als ich aber während der Untersuchungshaft von ihrem Szenar abgekommen bin, haben sie mich in eine einer Sonderabteilung gesteckt, wo gegenüber die Todeszellen waren. Einen gewissen Rigo, ein dreifacher Mörder, haben sie in meine Zelle gesteckt. Ich wusste dass er zum Tode verurteilt worden war. Ich habe ihn vorher gesehen, weil das Fenster an der Zelle abgekratzt war, also habe ich gewusst, dass er eine besondere Freiheitsstrafe zu verbüßt hat. Zufällig hat ihn mein Verteidiger auch verteidigt. Am nächsten Tag habe ich meinem Verteidiger gesagt, dass ich mit ihm in einer Zelle stecke, mit Einem der zum Tode verurteilt ist und dieser eigentlich alleine in der Zelle sitzen müsste. Sie haben ihn aber erst zwei Tage später verlegt. Ich bin bis heute davon überzeugt, dass mich dieser Mensch umbringen sollte.
Was ist dann passiert, als sie einen zum Tode verurteilten Häftling namens Rigo in die Zelle bekommen haben?
Ich bin wieder zu ihrem alten Szenar zurückgekehrt, weil ich Angst um mein Leben hatte und wegen der Sachen die mir dort passiert sind. Es war ein immenser Druck.
In den Akten steht dass ich ungefähr 100 Verhöre hatte, ich hatte aber 700! Ich hatte Verhöre an Samstagen wie auch an Sonntagen. Innerhalb von 2 Jahren Untersuchungshaft waren es 700 Verhöre, das ist ja wohl genug! Sie haben den Menschen immer in eine Position gebracht wo er psychisch zusammengebrochen ist. Eigentlich habe ich dann am Ende nur mehr das gemacht was sie wollten. Noch vor der eigentlichen Verhandlung sind die Ermittler nochmals gekommen, und haben mir ein Ultimatum gestellt. Entweder werden sie mich nach dem Paragraph 1 - Staatsverrat verurteilen, was bedeuten würde, dass ich in das schlimmste Gefängnis nach Ilava in den Untergrund komme, oder vier Jahre angenehmeres Gefängnis.
Sie haben die Version der Ermittler schließlich bestätigt, was ist dann passiert?
Sie haben ihr Wort gehalten, sie haben mir genau vier Jahre gegeben. Also habe ich noch vor dem Urteil gewusst, dass ich 4 Jahre kriege. Also war das alles von meiner Seite her inszeniert, und ich konnte nicht mehr heraus. Mein damaliger Verteidiger Dr. Detvaj, der heute der Vorsitzende der Anwaltskammer ist, sagte zu mir, dass mein größtes Problem darin liege, dass ich keine Ahnung habe, was die Anderen bei der Verhandlung sagen, weil sie uns in die Verhandlungen einzeln rein gebracht haben. Mein Verteidiger hat mir gesagt, dass falls ich meine Aussage verändere, dann wird mir schon überhaupt niemand mehr glauben, und sie werden mich dann auf jeden Fall verurteilen. Er behauptet heute was anderes, aber im Endeffekt war es damals wirklich so
Ihr Verteidiger Herr Dr. Detvaj hat ihnen so was gesagt?
Ja, in der Zelle. Mit dem Verteidiger konnte man sich damals immer erst nach den Verhören treffen. Wir haben uns dann Zettel geschrieben, da die Zelle abgehört wurde, so einen dünnen Zettel, den man dann verbrannt und vernichtet hatte. Unsere Gespräche waren keine wirklichen Gespräche, wir haben uns etwa über die Familien unterhalten, wobei wir uns geschrieben haben. Er hat mich darauf hingewiesen was passieren könnte und was nicht. Die Strategie der Verteidigung konnten wir überhaupt nicht zusammenstellen. Nur aus der Todesangst heraus und in der Hoffnung die Zukunft zu retten war diese eine Wahl. Heute kommt es mir so vor, als ob ich mich nicht solide verhalten habe, nicht korrekt, man kann das nicht aus diesem Blickwinkel sehen. Man müsste es erlebt haben!
Sie meinen der Druck in der Haft durch die Verhöre war nicht auszuhalten?
Eigentlich jeden Tag den jeden Augenblick dort. In der Zeit der drei Tage mit dem zum Tode verurteilten Rigo, da hatte ich Angst gehabt in der Nacht zu schlafen. Als ich dann einmal eingeschlafen bin, habe ich mich erschreckt: „Oh Gott, du schläft doch!“ Es war so erschöpfend und anstrengend, weil sie ihn am Freitag zu mir gegeben haben und erst am Montag ist der Dr. Detvaj, mein Verteidiger gekommen, der heute der Vorsitzende der Anwaltskammer ist. Man kann es heute beweisen, weil Rigo sein Klient war. Wie ist es möglich, dass ein zum Tode Verurteilter, der nicht aus der Zelle rauskommen darf, der spezielle Auflagen hatte, welcher der wichtigste Gefangene war, der eine doppelte Tür vor sich hatte, spezielle Gitter. Es ist Paradox, dass sie mir gerade in meine Zelle gegeben haben. Er hatte ein, aus einem zerrissenen Leintuch, zusammengeknotetes Seil dabei. Wahrscheinlich wollte er die Todesstrafe selber durchziehen, sich mithilfe des Seils selbst erhängen. Nach dem er von mir verlegt wurde hat er keine Todesstrafe, sondern 25 Jahre bekommen, weil es Lebenslänglich bei uns damals nicht gab. Es gab nur die Todesstrafe oder die Höchststrafe zu 25 Jahre. Ich weiß nicht was mit ihm weiter passiert ist, ob er raus gekommen ist, oder ob er noch lebt. Aber er hat sich dadurch die 25 Jahre Strafe ausgedient!
Wie war es als sie aus dem Gefängnis entlassen wurden?
Eigentlich ist das Problem so entstanden, dass ich als Erster entlassen wurde. Ich bin an diesen Punkt geraten, weil Nitra keine richtige Stadt sondern wie ein großes Dorf ist. Viele Menschen haben mich schief angeschaut, behauptet, dass ich mich verkauft habe und dadurch andere ins Unglück gestürzt habe. Die Wahrheit war ganz anders, aber beweisen konnte ich es nicht, weil ich über diese Sache nichts sagen durfte. Die Gerichte haben mir von den 4 Jahren sieben Monate erlassen, und haben mir 5 Jahre auf Bewährung gegeben.
Wie gestaltete sich dann ihr Leben in der Freiheit?
Sie sind normalerweise immer in mein Haus gegangen, sie haben sich die Tür mit Schlüssel geöffnet. Ich habe eine Einzimmer-Wohnung in Chrenova (Anm.: Plattenbausiedlung in Nitra) bekommen, und während ich in der Arbeit war, weil in dieser Zeit jeder arbeiten musste, sind sie bei mir daheim gesessen. Sie haben mich ständig so unter Druck gesetzt, dass ich keine andere Möglichkeit in der Stadt hatte, als aufzuzeigen, dass wir schuldig sind. Es hat denen nicht gereicht, und am Ende haben sie meiner Tochter den Nachnamen geändert, auf demselben Gericht, bei dem ich verurteilt wurde. Es waren große Spannungen. Man muss die ganze Angelegenheit in einem breiteren Kontext sehen, man kann es nicht in einem zehnminütigen Gespräch erklären.
Es bedeutet, dass sie noch in der Freiheit weiter auf der Version der Gerichte behaaren mussten, weil sie ständig bespitzelt wurden?
Ja, ich war nur die drei Jahre drei Monate und drei Tage eingesperrt, aber nachher ist es weiter gegangen – draußen - ich konnte mich auch in der Freiheit nirgendwo bewegen. Aber in meinem Inneren hab ich mich sehr schlecht gefühlt, besonders als ich die Eltern der Anderen getroffen habe. Es hat mir Leid getan, dass die anderen in den schweren Gefängnissen sitzen, unvorstellbar schlimm, unmenschlich. Ich weis es zwar nicht, wie die Haftstrafen anderswo sind, aber die Bedingungen sind sehr erschwert. Ich war dann schon draußen und es war psychisch sehr anstrengend. Ich hatte Gewissensbisse. Im meinem Inneren habe ich gelitten, das ist wahr.
Sie haben erwähnt dass sie in der Zeit ihrer Verhaftung im Jahre 1981 auch wegen Staatsverrat und Verbreitung verbotener Literatur vom Geheimdienst verhört wurden?
Ja, ich habe nämlich katholische Literatur verbreitet, die in diesen Staat wirklich verboten war. Sie hatten mich ständig im Auge und sie haben mich ständig erpresst. Falls es aber diese Audio Aufnahmen zum Fall Cervanova nicht gäbe - ich weiß nicht, ob sie falsch waren oder echt - würde ich nie etwas aussagen. Ich würde nie von alleine jemanden nur so liquidieren wollen. Sie haben mich eigentlich in diesen Fall durch andere Sachen hineingedrängt.
Falls ich nämlich nicht im Fall Cervanova mit denen zusammenarbeiten würde, hatten sie eine schlimmere Sache vorbereitet gehabt. Es war eigentlich alles ein Deal, dies habe ich auch jetzt am Obersten Gerichtshof gesagt. Mit einem Menschen, der damals ein Staatsanwalt (Anm.: Valasik) war - dass es alles ein Abkommen war. Es war sehr kompliziert. In so einem kurzen Umfang kann man es nicht sagen wie.
Causa "Cervanova" INTERVIEWS: Milos Kocur

Am 22. 9. 1982 wurde er vom Obersten Gerichtshof zur 24 Jahren Haft verurteilt.
Er wurde zusammen mit den Anderen durch die Aufhebung des Urteils im Jahre 1990 aus dem Gefängnis entlassen und kämpfte weiter in der Freiheit für ein gerechtes Gerichtsverfahren.
Am 4.12.2006 wurde er vom Obersten Gerichtshof der Slowakei zur 15 Jahren Haft wiederverurteilt. Das Interview hat am 17.12.2006 stattgefunden.
Er wurde anschließend ein Tag nach unserem Interview am 18. 12. 2006 von der Polizei verhaftet und befindet sich seit dem im Gefängnis.
Warum haben sie gegen sich und die anderen ausgesagt? Warum haben sie nach 3 Tagen Verhöre ein Geständnis abgelegt?
Ich muss damit anfangen, dass ich überhaupt nichts davon wusste, dass so eine Sache auf uns zukommen wird. Die Polizei und niemand anderer hat mir davon gesagt, dass sich so etwas entwickelt. Ich hatte am 14.Juni Promotionen gehabt, dass ist das Photo von der Promotion. Ich hatte vorher ziemlich viel Arbeit gehabt, sie wissen ja, ich musste viel lernen, sehr viel Stress und dann gab es Promotion, was ein großes Ereignis ist.Es war ein ziemlicher Erfolg in meinem Leben in dieser Zeit, wo ich meine ganzen Kräfte dafür eingesetzt habe. Es gab selbstverständlich nachher eine Feier. Am nächsten Tag um halb fünf haben sie mich mitgenommen.
Die Polizei hat sie also um 5 Uhr in der Früh nach der Promotionfeier abgeholt?
Ja, sie haben mich völlig unvorbereitet und schockiert erwischt, weil ich nicht wusste wofür. Ich weiß bis heute nicht, wohin sie mich genommen haben. Den ganzen Tag bis am späten Abend haben sie mich verhört. Sie haben mich psychisch und physisch terrorisiert, sie haben mich an den Ohren gezogen, haben meinen Kopf gegen die Wand geschlagen. Da habe ich die ganze Zeit bestritten, dass ich mit der Sache etwas zu tun habe. Dann haben sie mich schlafen gelassen. Am nächsten Tag haben sie mich nach Bratislava überführt. Dort haben mich acht bis zehn Polizisten bearbeitet. Sie haben sich abgewechselt. Da ich aber die ganze Zeit alles bestritten habe, haben sie mir eigentlich die ganze Geschichte - was wir angeblich getan haben - angesagt. Sie haben mir eine Anleitung gegeben. Es war kein Verteidiger anwesend, keinen einzigen Tag von den ersten 4- 5 Tagen, wo ich schon drinnen war. Ich war schon sehr müde und am späteren Nachmittag, wo ich nur mehr Ruhe haben wollte - wahrscheinlich war es ein Kurzschuss - habe ich denen Alles was sie von mir wollten erzählt. Ich wollte Ruhe haben.
Wie ist es dazu gekommen?
Ich habe doch nicht gewusst, dass es so endet. Sie wollten es so hören, also habe ich ihnen diese Blödheiten erzählt. Man muss aber davon sagen, dass dieses Geständnis nicht mit der jetzigen (und vorigen)Version der tatsächlichen Anklage übereinstimmt. Ich musste andere Insassen von Auto, anderen Tatplatz, andere Diskothek nennen. Eigentlich war es nur ein blödes Geständnis, irgendein Geständnis, dass sie aus mir rausgeschlagen haben mittels psychischer und physischer Folter!
Mittwoch, 2. Januar 2008
Das Popper Prinzip, Artikel "Tyzden Nr.47"
Laut Sir Karl Popper glauben wir an die wissenschaftlichen Theorien nicht deswegen, weil man sie nicht widerlegen kann, sondern gerade deswegen, weil man sie zumindest im Prinzip widerlegen könnte. Das, was man zumindest im Prinzip nicht widerlegen kann, ist laut Popper keine Theorie sondern ein Dogma.
Originallink: http://www.tyzden.sk/sk/spolocnost/popperov_princip.php
Poppers Prinzip ist nicht nur in der Wissenschaft gültig. Überall dort, wo uns die konkrete Wahrheit interessiert, sollten wir bereit sein, unsere Überzeugungen zu verlassen, falls diese ersichtlich anfangen den Fakten zu widersprechen.
Deshalb, obwohl wir aufgrund von vielen materiellen Beweisen von der Unschuld der sieben Männern aus Nitra in der Causa Cervanova überzeugt sein könnten, sollten wir gerade die Fakten nicht ignorieren, die das Gegenteil bestätigen. Gerade diese Fakten haben nämlich das Potenzial, unsere Überzeugungen zu widerlegen und gerade deshalb sollten wir diese gründlich untersuchen.
Zu Ungunsten der sieben Männer aus Nitra sprechen vor allem die Zeugenaussagen und Geständnisse. Es ist zwar wahr, dass der
Großteil der Aussagen von den betroffenen Personen widerrufen wurde, diese Tatsache muss für uns nicht ausschlaggebend sein. Falls nämlich jemand etwas gesteht und bezeugt und später behauptet, dass er dazu mittels intensivem psychischen und manchmal physischen Druck gezwungen wurde, dann können aber müssen wir es nicht glauben.
In der Frage der Nötigung und Druckausübung haben wir im Grunde genommen drei folgende Möglichkeiten:
- Die Zeugenaussagen und Geständnisse wurden ohne Nötigung, Druck oder Gewalt getätigt und die Behauptungen darüber sind Zweckslügen.
- Die Zeugenaussagen und Geständnisse wurden durch einen bestimmten Druck getätigt, entsprechen aber der Wahrheit.
- Die Zeugenaussagen und Geständnisse wurden durch Gewalt getätigt und entsprechen somit nicht der Wahrheit.
Falls eine dieser Hypothesen für uns als Dogma gilt, müssen wir nichts mehr dazu sagen. Falls es sich um keine Dogmen handelt, müsste zumindest eine theoretische Möglichkeit der Widerlegung existieren. Wir schauen uns deshalb jetzt die Fakten an, die das Potenzial haben, diese Hypothesen zu widerlegen.
- Die erste Hypothese
Die erste Möglichkeit könnten die Zeugen widerlegen, die gegen die Angeklagten ausgesagt haben und die ihre Zeugenaussagen in den Hauptpunkten nie widerrufen haben. Falls diese ebenfalls bestätigen würden, dass auf sie Druck ausgeübt wurde, hätte diese Tatsache die erste Hypothese wesentlich erschüttert. Solche Menschen haben nämlich nicht den geringsten Grund zu behaupten, dass sie zu den Zeugenaussagen gedrängt wurden. Existieren aber solche Zeugen?
Ludmila Cervanova wurde am Abend den 9.7.1976 auf dem Weg von der Diskothek in Mlynska Dolina entführt. Die Anwesenheit der sieben Männer aus Nitra in dieser Diskothek haben bei dem Ermittlungsverfahren (Vorbereitungsverfahren) im Jahr 1981 hauptsächlich die Zeugin Viera Zimakova- Vozarova, der Zeuge Vladimir Varga und die Zeugen Jozef Skrobanek und Igor Urbanek bestätigt. Beim Gerichtsverfahren im Jahr 1982 hat Viera Zimakova-Vozarova ihre Zeugenaussage im vollen Umfang widerrufen, Vladimir Varga ist in die Schweiz emigriert, von wo er sofort einen Brief an das Gericht geschrieben hatte, in dem er alle seine Aussagen als erpresste Lügen bezeichnet hatte. Die zwei übrigen Zeugen haben aber vor dem Gericht 1982 weiter behauptet, alle Angeklagten in der Diskothek gesehen zu haben.
Beim Gerichtsverfahren im Jahr 2003 hat der Zeuge Jozef Skrobanek aber bereits behauptet, dass er in der Diskothek nur Andrasik, Dubravicky, Bedac und Kocur gesehen hatte. Über die drei übrigen Männer aus Nitra hat er ausgesagt, dass ihm die Ermittler vor dem Jahr 1982 einfach Photos untergeschoben hatten: „So sind in diese Gruppe auch Lachman, den ich nie zuvor im Leben gesehen hatte, Cerman, den ich nicht kannte und Brazda, den ich auch nie im Leben gesehen habe, hineingekommen. Bis ich mir die Namen nicht aneignete – die ins Protokoll gelangen sollten, haben sie mir diese Namen ständig untergeschoben. Bis ich diese Namen nicht hineinbekommen habe, haben sie mir das Vernehmungsprotokoll nicht unterschreiben lassen.“
Die Hypothese über ein sauberes Vorgehen der Ermittler und der Staatsanwaltschaft können wir wohl aufgeben.
- Die zweite Hypothese
Da wäre also die zweite Hypothese, nämlich dass die Ermittler die Zeugen und Angeklagten nicht mit Wattehandschuhen angegriffen haben, was aber nichts ausmachen würde, wenn die Angeklagten tatsächlich die wirklichen Täter wären. In diesem Fall ist wesentlich, dass der Zeuge Skrobanek geholfen hat, die Täter zu überführen und nicht, dass ihn die Ermittler bedroht haben, ihn solange Arschloch geschimpft haben, bis er, so wie es erwartet wurde, antwortete, oder dass er bei dem Verhör eine Ohrfeige bekommen hat (alles laut seiner Aussage im Jahr 2003). Für viele Anhänger der zweiten Hypothese sind es zwar bedauernswerte aber keine ausschlaggebende Umstände/Details.
Was könnte diese Ansicht widerlegen? Vielleicht ein Zeuge, der überzeugend beweisen würde, dass der Zeuge Skovranek im Jahre 1982 gelogen hatte (oder zumindest sich geirrt hatte) und dass nicht nur im Falle von Lachman, Cerman, Brazda, sondern auch im Falle der restlichen Verurteilten. Existieren aber überhaupt solche Zeugen?
Solche Zeugen gibt es ungefähr an die hundert und dazu zählt auch der Zeuge Skovranek selbst. Dieser hat nämlich nicht nur in den Jahren 1982 oder 2003 zum Fall Cervanova ausgesagt, sondern auch nur ein paar Tage nach der Tat im Jahre 1976. Seine Zeugenaussage vom 20.7.1976 hat knapp zehn Zeilen und erwähnt keinen von den Männern aus Nitra. Zu Ludmila Cervanova hat er bei der Vernehmung explizit angegeben, dass er sie in der Diskothek nicht gesehen hatte. Das heißt, dass der Zeuge Skovranek bei den massiven polizeilichen Ermittlungen im Jahre 1976 keinen von den Menschen erwähnte, die er dann souverän im Jahre 1981 überführte. Und nicht nur Herr Skovranek, sondern keiner von den weiteren hundert Anwesenden der Diskothek hatte im Jahre 1976 die sieben Männer aus Nitra als anwesend identifiziert. Keiner, nicht einmal ein einziger Mensch.
Was bezeugt dann die Aussage von Herrn Skovranek vom 15.6.1981, in der er auf sechs dicht beschriebenen Seiten eine Menge von Einzelheiten erwähnt, inklusive, wer und wann Frau Cervanova zum Tanz gebeten hat, wen sie abgelehnt hatte und wie in ihrer Anwesenheit sich Herr Kocur mit Herrn Urbanek geprügelt hatten und so weiter? Was bezeugt die Zeugenaussage von Herrn Urbanek (den sogar im Jahre 1976 auch niemand der hundert Zeugen in der Diskothek gesehen hatte), der bis heute behauptet, dass Frau Cervanova direkt aus seinen Händen entführt wurde, wobei alle direkten Zeugen der Entführung im Jahre 1976 ausgesagt haben, dass die Entführte sicher alleine weggegangen ist? Nun sie zeigen, dass die Zeugenaussagen der Hauptzeugen nicht einmal eine kleine Spur wahr sind. Deswegen bleibt uns nichts anderes übrig, als sich auch von der zweiten Hypothese zu verabschieden.
- Die dritte Hypothese
Die obrigen Abschnitte bringen uns zu der dritten Hypothese, nämlich, dass die verurteilten Männer aus Nitra tatsächlich unschuldig sind. Was könnte diese Hypothese entkräften? Zum Beispiel, falls jemand beweisen könnte, dass man solche falschen und schrecklichen Beschuldigungen oder sogar Geständnisse einem Menschen nicht aufzwingen kann.
Stefan Michalik, der Senatsvorsitzende des Obersten Gerichtshofes der Slowakischen Republik hat in das Urteil im Jahr 2006 folgendes geschrieben: „Falls der Druck auf die Angeklagten so groß und so gesetzeswidrig wäre, wie die Verteidigung behauptet, dann hätten sich wahrscheinlich alle Angeklagten damals zu den Straftaten bekannt. Dies ist aber nicht passiert.“
Nun, die Logik ist keine Stärke von Richter Michalik. Druck kann verschiedene Formen der Ausübung haben und auch unterschiedliche Intensität. Für den Zeugen Skovranek reichte wahrscheinlich nur eine polizeilich durchgeführte Rekonstruktion der Diskothek, die er folgend in seiner Zeugenaussage im Jahre 2003 beschrieben hat: „Als ob sie uns in bestimmte Aufstellungen manipuliert hätten, die sie teilweise zufrieden stellten. Von mir habe ich dabei erfahren, dass ich neben der Geschädigten Cervanova auf dem Fenster gesessen bin. Es ist wirklich wahr, dass ich auf dem Fenster gesessen bin, ich habe Cervanova aber nie im Leben gesehen. Bei der Rekonstruktion habe ich erfahren, dass ich ein Zeuge sein sollte und zwei Stunden neben Cervanova gesessen bin.“
Welches Signal hat diese Rekonstruktion für Herrn Skovranek bedeutet? Falls er darauf weiter behaaren würde, dass er Cervanova nie im Leben gesehen hatte, könnte er zum Verdächtigen Nummer eins werden. Für einen reicht schon eine relativ sanfte Drohung (mit der sanften Aussicht auf die Todesstrafe). Woanders ist der Druck viel brutaler, wie zum Beispiel im Falle von Viera Zimakova- Vozarova, der aber trotzdem nicht vollkommen ausreichend wirksam war.
Die Frage bleibt aber weiter offen, ob es möglich ist, einen Menschen zu einem falschen Geständnis einer schweren Straftat oder sogar zu gegenseitigen Beschuldigungen bei den Konfrontationsverhören zu zwingen. Wahrscheinlich ist es möglich, falls man geeignete Methoden benutzt, wie zum Beispiel die Druckausübung durch Mithäftlinge in der Untersuchungshaft. In diesem Zusammenhang erwähnen wir zumindest die Herren Janzetic und Fagan. Der Psychologe Gejza Dobrotka, der im Jahre 1981 für vier der Verurteilten aus Nitra Todesstrafen auf Grund schlechter sozialer Prognosen empfahl (später lakonisch zugegeben hatte, dass er sich wohl irrte) hat beim Gericht im Jahre 1993 folgendes zu Herrn Janzetic erklärt: „Diesen Zeugen habe ich nicht in Erwägung gezogen und davon, dass er eingesetzt wurde, habe ich von den Polizisten erfahren, denen ich es auch vorgeworfen habe. Ich wusste davon, dass außer Herrn Janzetic noch einer dabei war, der ein Sadist war. Ich glaube es handelte sich um den Zeugen Fagan.“
Also ein Sadist. Ich glaube, die dritte Hypothese ist uns nicht gelungen zu widerlegen. Trotz der Tatsache dass uns der Genius Michalik geholfen hat.
EXKURS: Für kluge „Köpfchen“
- Wie ist es möglich, dass slowakische Gerichte die Männer aus Nitra wiederholt verurteilt haben? Warum haben sie die Tatsache nicht in Erwägung gezogen, dass niemand von den Angeklagten und Hauptzeugen in der Diskothek gesehen wurde?
(richtige Antwort: Bis zum Jahr 2004 war die Ermittlungsakte vom Jahr 1976 „verloren“ gewesen und die Gerichte konnten sich mit diesen nicht befassen. Mit diesem Teil der Ermittlungsakte, der schließlich im Polizeiarchiv im Levoca gefunden wurde, konnte sich erst der Senat des Obersten Gerichtshofes der Slowakischen Republik im Jahre 2006 befassen. Und dieser Senat hat sich entschieden, dass er sich einfach mit dem Teil nicht befassen wird- einfach nicht und Basta.)
- Wie ist es möglich dass die Gerichte im Jahre 2004 (Landesgerichtshof) und 2006 (Oberstes Gerichtshof) die Zeugenaussage von Herrn Skovranek vom Jahr 1982 berücksichtigten trotz der Informationen von manipulierten Ermittlungen, die dieser Mann den Gerichten erteilte?
(richtige Antwort: Die Gerichte sind nach der Überprüfung von Herrn Skovraneks Aussage zum Ablauf der Verhöre im Vorbereitungsverfahren von dem Jahr 1982 zur Meinung gekommen, dass: „die Aussagen im Vorbereitungsverfahren mit gesetzlichen Methoden getätigt wurden.“ Die Zeugenaussage von Herrn Skovranek haben sie als zweckmäßig, respektiv unter den Druck von Medien und im Streben den Angeklagten zu helfen gewertet. Also so. Zumindest haben wir jetzt eine Vorstellung davon, was das slowakische Oberste Gericht für ein rechtsmäßiges Verhör hält.)
.Martin Mojzis
Von Hunden und Menschen, Artikel "Tyzden Nr.46"
Die Benutzung von Spürhunden bei der Ermittlung von Verbrechen hat eine lange Tradition. Sie werden vor allem bei der Spurensicherung benutzt, können aber auch erkennen, ob ein bestimmter Mensch mit einem bestimmten Gegenstand in Berührung gekommen ist. Dies können nur einige Hunde und nur manchmal.Orgiginallink: http://www.tyzden.sk/sk/spolocnost/o_psoch_a_ludoch.php?set_hodnotenie=5
Der Spürsinn von Hunden kann manchmal unglaubliche Dinge entdecken. Die spezielle Rasse Bloodhound (Bluthund) kann Leistungen erbringen, die fast an Wunder grenzen - zum Beispiel einen Bombenkonstrukteur auch nach der Bombenexplosion aufspüren. In den Experimenten von R. Stockhamm konnten diese Hunde den Konstrukteur einer explodierten Bombe richtig aufspüren und das in 53 von 80 Fällen. (Forensic Science Communications, 6/4, 2004).
Bei solchen Eigenschaften könnten wir erwarten, dass Hunde einen bestimmten Gegenstand relativ genau erkennen können, mit dem irgendein Mensch in der Vergangenheit in Berührung gekommen ist. In dieser Frage ist die wissenschaftliche Gemeinschaft überraschend enthaltsam. In vielen Ländern wurde die Spurensicherung mittels Spürhunden in den 70ern und 80ern viel genutzt, in der Realität hatte diese Methode jedoch keinen hohen wissenschaftlichen Status. Seriöse Tests der Verlässlichkeit dieser Methode wurden erst in den 90ern durchgeführt und führten zu keinen repräsentativen Ergebnissen. Holländische Untersuchungen von G. Schoon ergaben, dass der Erfolg der Hunde bei der Identifikation der Gegenstände, die von einer Versuchsperson vorher gehalten wurden, ungefähr bei nur 30 Prozent liegt (Journal of Forensic Sciences, 43/1, 1998).
Dies heißt aber noch lange nicht, dass es sich um eine völlig unzuverlässige Methode handelt. Bei der Nutzung von speziell trainierten Hunden der Rasse Bloodhound (Bluthund), die einen 60-fach stärkeren Geruchssinn als deutsche Schäferhunde haben, kann sich der Erfolg vervielfachen. Auf jedem Fall handelt es sich dabei noch um eine offene Frage, die noch weiter erforscht wird. Außer der Erforschung von Verlässlichkeit bei der Erkennung menschlicher Gerüche durch Hunde, werden Untersuchungen durchgeführt, die die Ursprünge, Besonderheiten und Charakteristika der menschlichen Gerüche erforschen. Dabei ist interessant, wie wenig wir darüber wissen. Es existieren ein paar Theorien, die sich mit den Ursprüngen menschlicher Gerüche beschäftigen, keine ist aber allgemein anerkannt. Wir wissen viel darüber, wodurch unser Geruch beeinflusst wird, von der Genetik bis hin zur Diät und Umgebung, aber unser Verständnis ist zu allen diesen Einflüssen noch immer unvollkommen. Wir wissen mittlerweile, welche chemischen Stoffe unseren Gerüchen zugrunde liegen, aber weiter haben wir dabei noch erhebliche Lücken. Hunde und Gelsen können in unserem Geruch Details erkennen, die wir mit unseren analytischen Methoden nicht erfassen können. Da die Dressur von Gelsen eher schwierig erscheint, sind Hunde das Beste, was wir für die Aufspürung von Gerüchen zur Disposition haben.
- Jeans
Im Fall Cervanova haben die Ermittler und die Staatsanwaltschaft Geruchsproben zur Überführung der Angeklagten benutzt. Im Bezug auf die nicht gerade hohe Verlässlichkeit der Methode (die in den vorigen Abschnitten erwähnt wurde) und der geringen Verlässlichkeit der Staatsanwaltschaft und Ermittlern bei der Beurteilung von wissenschaftlichen Fakten (erwähnt in den vorigen Artikeln) könnte man erwarten, das uns die Informationen von Geruchspuren wenig verraten werden. Das Gegenteil ist aber wahr.
Als die Kronzeugin bei den Gerichtsverhandlungen erklärte, dass sie am Tag der Tat nicht bei der Entführung, auch nicht bei der Vergewaltigung oder einem Mord von Ludmila Cervanova anwesend war, drohte dem Staatsanwalt die gesamte mühevoll erarbeitete Anklage fast einzustürzen. Er brauchte unbedingt etwas, was zumindest teilweise diesen unerwarteten Verlust kompensieren würde. So rückte er mit den Geruchsspuren, die ursprünglich nicht in der Anklageschrift vorkamen, aus.
Folglich ist beim Gericht ein schriftlicher Bericht von Miroslav Roznavsky aufgetaucht, wo ein Hund aufgrund von so genannten Geruchskonserven die Geruchspuren von Milos Kocur und Roman Brazda auf den Jeans von Ludmila Cervanova identifizierte. Dieser Zeuge war bei den Gerichtsverhandlungen nicht anwesend, die Verteidigung konnte ihm also keine Fragen stellen. Wie zum Beispiel, welches Zertifikat er für diese Expertise hat, oder wie die Expertise überhaupt stattgefunden hatte. Oder- und das wäre eine noch interessantere Frage – woher haben sie die Hosen von Ludmila Cervanova auf einmal gehabt, obwohl der Körper nackt vom Bauch bis unten aufgefunden wurde.
Der Senat des Berufungsgerichtes im Jahr 1983 kannte schon die Antwort auf diese Frage. Er wusste, dass es sich um Jeans von Ludmila Cervanova handelte, die nach der Tat im Schrank ihres Zimmers im Internat aufgefunden wurden. Es waren also Hosen, die Cervanova an dem schicksalsvollen Abend nicht angehabt hatte und dementsprechend hatten die Geruchsspuren der zwei Angeklagten keine Chance auf diese zu gelangen. Das Berufungsgericht hat deshalb entschieden, diese Geruchspuren als Beweis abzuweisen. Das war aber schade. Es handelte sich um einen sehr klaren Beweis. Die Geruchsspuren haben über die Täter ziemlich eindeutig ausgesagt. Zwar nicht über die Täter des Mordes an Ludmila Cervanova, aber anscheinend über die Täter einer anderen Straftat.
- T-Shirt und Bluse
Das war aber noch nicht alles zu den Geruchsspuren.
Das nächste famose Stück haben die Ermittler und der Staatsanwalt im Falle der Kronzeugin aufgeführt, die wegen doppelter Falschaussage angeklagt wurde. Wieso doppelte Falschaussage? Na ja, es war folgendermaßen:
Als sie Viera Zimakova- Vozarova schon zum x-ten Mal im Juni 1981 verhaftet hatten, haben sie von ihr während der zwei Tagen andauernden Verhöre eine „spontane“ Zeugenaussage zur Entführung, Vergewaltigung und Mord, die fünf Jahre zuvor am 9.7.1976 stattgefunden haben sollen, bekommen. Aufgrund dieser Zeugenaussage wurde sie zurück zu ihrem gestillten Kind gelassen. Vier Monate später kam sie aber mit dem Beweis, dass sie am inkriminierten Tag auf keinen Fall in Bratislava sein konnte. Dieser Beweis ist eine Bestätigung ihrer Anwesenheit an einem Rafting Ausflug an der Hron (Anm.: Fluss in der Slowakei), was durch die Medizinische Fakultät der Kommenius Universität bestätigt ist. Diese Bestätigung übergab sie den Ermittlern mit der Anmerkung, dass ihr Alibi von dreißig Zeugen bestätigt werden kann.
Die Ermittler und der Staatsanwalt haben diese Tatsache als Falschaussage klassifiziert und diese Kronzeugin dementsprechend für drei Wochen eingesperrt. Zum Kind wurde sie erst entlassen, als sie einer genialen Idee zustimmte, dass sie zwar am Rafting Ausflug anwesend war, aber sich an dem Abend unbemerkt von dort entfernt hatte, per Anhalter mehr als 150 km nach Bratislava gefahren ist, wo sie die Diskothek besuchte und bei der Entführung, kollektiver Vergewaltigung und Mord teilnahm, damit sie schnell in der Früh ins Zeltlager wiederkehren konnte. Diese in den Himmel schreiende Absurdität hat sie dann in allen Phasen des Vorbereitungsverfahrens bezeugt. Die Tatsache, dass sie sich aus dem Ausflugsort nicht entfernte, hat sie erst an der Gerichtsverhandlung wiederholt, womit sie wahrscheinlich drei oder vier Menschenleben gerettet hat. Ohne ihre „krönende“ Zeugenaussage konnten die Richter und der Staatsanwalt nicht so hoch keilen. Na ja, diese Aussage wurde aber von diesem Gericht als zweite Falschaussage klassifiziert.
Im Februar des Folgejahres hat sie das Bezirksgerichtshof Bratislava für zwei Jahre Strafe verurteilt, wogegen sie berufen hatte. Die Anklage hatte wahrscheinlich befürchtet, dass sich das Berufungsgericht für die Umstände ihrer „spontanen“ Zeugenaussage interessieren könnte. Zum Beispiel, warum ihre „spontane“ Aussage keine Erwähnung zu einem Rafting Ausflug beinhaltet, stattdessen vielerlei Details, die eigentlich dieser unsinniger Version des nächtlichen Ausflugs nach Bratislava und zurück vollkommen entgegen sprechen. Deswegen hat sich der Staatsanwalt entschlossen, einen neuen materiellen Beweis zu bringen, die am Bezirksgericht nicht erwähnt wurden.
Die Rede ist selbstverständlich von Geruchsspuren. Die dazugehörige Passage aus dem Beschluss des Landesgerichtshofes Bratislava vom 6.4.1983 beinhaltet ein wortwörtliches Zitat: „Wie die Geruchsidentität bei der Angeklagten Vozarova festgestellt wurde, wurde ebenfalls mit den Gerüchen vom T-Shirt, Pullover und Bluse der Ermordeten L. Cervanova bewiesen, dass die Angeklagte im Kontakt mit dieser war, also hat diese Zeugin an den Tagen 6.10.1981 und 23.8.1982 falsch ausgesagt.“
Also Moment mal. Den Körper von Ludmila Cervanova hat man tatsächlich in einer Bluse und einem Pulli aufgefunden. Das heißt, dass im Prozess mit den angeblichen Tätern die Ermittler auf den Vergleich der Geruchsspuren von den Jeans angewiesen waren, die am Tatort sicher nicht gefunden wurden. Im Prozess mit der Kronzeugin hatten sie aber auf einmal Kleidung, in derer das Opfer aufgefunden wurde, zur Verfügung. Und wie soll das bitte zueinander passen? Was für ein Spiel haben die Ermittler und die Staatsanwaltschaft gespielt? Irgendetwas stinkt im slowakischen Staat. Und um die Wahrheit zu sagen, braucht man keine Hunde dafür, diesen Gestank eindeutig zu identifizieren.
Exkurs: Für kluge "Köpfchen"
- Bei den Ermittlungen im Jahr 1976 war der Hauptverdächtige der Entführung und Mordes von Ludmila Cervanova Jan Hrmo. Was glauben sie, was haben die Geruchsspuren in seinem Fall gesagt?
(richtige Antwort: Der Bericht der ZNB (Polizei) der Hauptstadt Bratislava und desLandeskreises West vom Tag 28.9.1976 über Jan Hrmo und weitere zwei Beschuldigten besagt: „Weiters wurden ihnen Geruchsspuren entnommen und mit den Geruchsspuren der Sachen von Ludmila Cervanova verglichen, die in der Umgebung gefunden worden sind. Wie der Diensthund vom SVB Bratislava, als auch die Diensthunde vom SVB Brno bestätigen die Gleichheit dieser Spuren und den Geruchsspuren, entnommenen von Jan Hrmo.“ In der Causa Cervanova war von Anfang an gültig: „Wer einen schlagen möchte, findet den geeigneten Hund.“)
- Was folgt aus der Annahme, dass Vera Zimakova-Vozarova die Wahrheit sagt und sich nicht vom Ausflugsort entfernt hatte?
(richtige Antwort: Aus dieser Annahme folgt, dass sie entweder verrückt geworden ist und die gesamte Geschichte über den Aufbruch aus Revisske Podzamcie (Ausflugsortschaft) nach Bratislava und zurück erfunden hatte, womit sie sich selbst einen erheblichen Schaden zufügt hatte. Oder, dass ihr diese Konstruktion von den Ermittlern und den beaufsichtigten Staatsanwalt aufgezwungen wurde, womit diese einige schwere Straftaten begangen haben. Wenn wir schon die Angeklagten genannt haben, ist es wahrscheinlich angebracht, die andere Seite zu nennen. Von den vielen erwähnen wir zumindest den Ermittler Vladimir Lamacka und den Staatsanwalt Milan Valasik)
- Anhand vom Gutachten aus 23.2.1983 hat Viera Zimakova- Vozarova eine „Störung des Charakters und schwache moralische Qualitäten“ gezeigt. Ist dies eine zutreffende Charakteristik dieser Frau?
(richtige Antwort: Mit einer fast hundertprozentigen Wahrscheinlichkeit ist dies eine falsche Charakteristik. Frau Viera Zimakova- Vozarova hat einen starken Charakter und moralische Qualitäten gezeigt, die man nur selten findet. Sie hat etwas getan, zu dem viele von uns nicht fähig wären. Und dafür verdient sie wirklich Respekt und Dankbarkeit.
Nicht nur von den sieben aus Nitra stammenden Männern, sondern von uns allen.)
.martin Mojžiš
Der Band XXII., Artikel "Tyzden Nr.45"
Die Trichologie (von trichos, griech. "Haar") ist ein Teilgebiet der kosmetischen Dermatologie, die sich speziell mit der Kopfhaut, den Haarwurzeln und Haaren beschäftigt. Forensische Trichologie ist ein kriminalistischer Fachgebiet, der sich genau damit beschäftigt. In der Causa Cervanova sagt die trichologische Expertise überraschend viel aus.Originallink: http://www.tyzden.sk/sk/spolocnost/zvazok_xxii.php
Die Anklage wegen Mordes und Vergewaltigung der aus Nitra stammender Männer hat 73 Seiten. Auf diesen 73 Seiten beschäftigen sich nur zwei mit den Ergebnissen der kriminalistischen Expertise. Der Rest beinhaltet nur die Tatbeschreibung und psychologisch- sexuelle Gutachten der Angeklagten.
Diese zwei Seiten widmen sich dem Obduktionsbericht und den hydrobiologischen Befunden von denen wir in unserem letzten Artikel berichtet hatten. Außerdem handelt dieser zweiseitige Teil der 73 Seiten langen Anklage noch von den Haaren noch von den Textilfäden, die am Körper des Opfers gefunden wurden. Diese wurden im Rahmen der Begutachtung des Tatortes im Juli 1976 gesichert und an die Kriminaldirektion des Innenministeriums in Prag geschickt. Das eindeutige Ergebnis der Prager Expertise war, wie es wörtlich in der Anklage fünf Jahre später steht: „Das trichologische Material ist in allen Proben menschlicher Herkunft. Alle Haare, außer zwei, die sich auf dem blauen Pulli von Ludmila Cervanova befanden, entsprechen den Haaren von Ludmila Cervanova.“
- Die Föderalbeamten
Wie sind die Föderalbeamten auf diese Tatsache gekommen? So, wie es in allen Laboratorien der Welt üblich ist, nämlich mittels Mikroskop. Fakt ist, dass man aus den Haaren eine chemische Analyse und eine DNA Analyse machen kann. Die Erste wird vor allem bei der Feststellung von fremdartigen Stoffen durchgeführt und die zweite ist mittlerweile gängig. Wir sprechen hier aber vom Jahr 1976.
Die Mikroskopische Analyse wird schon seit einhundert Jahren in der Kriminalistik durchgeführt. Obwohl sie nicht so präzise und eindeutig ist, wie zum Beispiel Daktyloskopie, kann sie aber viel aussagen. Laut Beitrag in Microscopy of Hair, publiziert im Januar 2004 in der Zeitschrift Forensic Science Communications, die von der FBI herausgegeben wird, ist es in einem mikroskopischen Vergleich zufällig entzogener Haare von verschiedenen Personen nicht üblich, dass man diese Haare nicht voneinander unterscheiden könnte. Der Vergleich der Haare ermöglicht somit keine absolut verlässliche Methode der Identifikation. Alle bisherigen Erfahrungen und unabhängige Labortests deuten aber darauf hin, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass zwei verschiedene Menschen die gleichen Haarcharakteristiken haben könnten. Bei der mikroskopischen Analyse einzelner Haare werden laut FBI - Regel die Zellenstruktur des Haarkortex, die Eigenschaften der Medulla (Mark der Haare), Cuticula (äußerste Schicht vom Haar) und fünf verschiedene Farbpigmente usw. untersucht. Beim Vergleich der Haare werden spezielle Vergleichsmikroskope benutzt, bei denen man zwei Proben gleichzeitig beobachten kann.
Mittels dieser Verfahren, was der schrittweise Vergleich einzelner Haare vom Tatort mit den Haaren von Ludmila Cervanova bedeutete, kamen die Prager Kriminalisten zum oben genannten Schluss, dass zwei Haare den Proben des Opfers nicht ähnelten und somit nicht identisch waren. Aus der Sicht der Weiterführung der Ermittlungen haben sie hiermit einen besonderen Trumpf bekommen. Falls die Haare eines x-beliebigen Verdächtigten der mikroskopischen Analyse der genannten zwei Haare entsprechen würden, wäre dies ein außerordentlich starkes Indiz für die Beteiligung an diesem Verbrechen.
Wie sind die Ermittler mit dieser potenziell überführenden Tatsache im Jahre 1981 umgegangen? Wie haben die Ermittler die Expertise der föderalen Kriminaldirektion des Innenministeriums bei der Festnahme der sieben aus Nitra stammenden Verdächtigen benutzt?
- XXII
Ein wörtliches Zitat auf Seite 55 vom 1.März 1982 lautet:
„Mit dem Vergleich der Haare der Angeklagten und den gesicherten Haaren am Körper von Ludmila Cervanova wurde festgestellt, dass sich die variable Streuung einiger Haare, gefunden am blauen Pullover von Ludmila Cervanova, mit den Haaren von Ludmila Cervanova und gleichfalls mit den Haaren vom Angeklagten Roman Brazda decken. Deswegen ist nicht auszuschließen, dass die Haare, gefunden am blauen Pullover von Ludmila Cervanova (Nr.1. 5/5 und 5/6), also Haare vom Angeklagten Roman Brazda sind. Die Haare des Angeklagten Lachman besitzen ähnliche morphologische Eigenschaften wie die Haare der L. Cervanova. Deswegen ist nicht auszuschließen, dass einiger der Haare, die morphologische Ähnlichkeiten mit den Haaren von L. Cervanova haben, auch Haare von J. Lachman sind. (Band XXII.,Nr.1. 1889 und folg.)“ Ende des Zitats.
Kein Zusammenhang mit den zwei fremden Haaren, nichts dergleichen. Nur eine vage Feststellung partieller Ähnlichkeit der Haare zweier Angeklagten mit den Haaren vom Opfer. Solche Haare wurden am Opfer mehr als genug gefunden. Was könnte man dazu sagen? Wahrscheinlich nur soviel, dass die Anklage vier Todesstrafen verlangte.
Die Staatsanwaltschaft hat noch ein weiteres spektakuläres „corpus delicti“ gefunden. Wieder ein wörtliches Zitat aus der Seite 55 der Anklage:
„Aus dem Gutachten der Föderalen Kriminaldirektion VB (Band XXII. Nr.1.1910 ff.) erfolgt weiter, dass die Textilfäden des Farbton schwarz 1990 und rot 8190, gesichert an der Kleidung von L.Cervanova, ähnliche Farbtöne wie die gesicherten Textilfäden aus dem Fahrzeug Kennzeichen NRA 15-76 (Fahrzeug von Roman Brazda) aufweisen.“
Das ist Alles. Mehr werden sie zu den Haaren und Textilfäden in den Akten nicht erfahren. Wie ist aber dies möglich? Immerhin, falls eine gründliche mikroskopische Analyse der Haare ausgeführt wurde, dann müsste es mit einer hoher Wahrscheinlichkeit klar sein, dass die zwei fremden Haare, gefunden am Pullover der L. Cervanova, jemanden von den Angeklagten gehören müssten. Und falls die Experten Textilfäden aus dem Fahrzeugbezug und vom Körper des Opfer zur Disposition hatten, was hat sie dann daran gehindert zu untersuchen, ob es sich um die gleichen Textilfäden handelt? Warum haben sie nur die Farbe und nicht auch die chemische Zusammensetzung verglichen? Nochmals: Wie ist es möglich, dass die Anklage so jämmerlich wenig zur Frage der Haare und Textilfäden enthält?
Naja, es ist nicht auszuschließen, dass im Jahr 1981 keine richtigen Vergleiche der Haare und Textilfäden durchgeführt wurden. Man hat schließlich in der Anklage diese oben genannten Tatsachen eingefügt. Wahrscheinlich nur, damit zumindest etwas, was im weitesten Sinne materiellen Beweisen ähnelt in der Anklage enthalten ist. Es ist aber ebenfalls nicht auszuschließen, dass die Vergleiche ordentlich gemacht wurden, diese aber überhaupt nicht mit der Anklage übereinstimmten und deswegen nur das oben genannte zitierte Bruchstück der Expertise eingefügt wurde.
- 22.00
Tatsächlich kann man es nicht ausschließen? Tatsächlich ist es möglich, dass die sozialistische Staatsanwaltschaft die Fakten dermaßen brutal zu Ungunsten der Angeklagten verdrehte? Die alleinige Anklage liefert uns keine weiteren wissenschaftlichen Argumente. Deswegen versuchen wir an die Logik anderer eingeführten Argumente anzuknüpfen. Ein Zitat aus der Seite 30 der Anklage vom Jahr 1982 lautet:
„Zeuge Lukas Karabinos (Band XVI. Nr.1.1450 und folg.) hat in seiner Aussage angeführt, dass er im Sommer 1976, auf den Tag kann er sich nicht mehr erinnern, ungefähr um 22.00 Uhr in der Nähe der Bushalterstelle beim Internat in Mlynska dolina, von einem Auto, das ihn geblendet hatte, fast überfahren wurde. Das Auto blieb stehen, ein junger Mann ist ausgestiegen. Dieser Mann hatte eher helle Haare, war dünner und eher größer. Er ist zum Zeugen gerannt und hat ihm Prügel angedroht. Dieser junge Mann ist aber anschließend auf Befehl des Fahrers wieder ins Auto eingestiegen, das weiter in Richtung Stadt gefahren ist. Das Auto hatte eine helle Farbe.“
Dieser Abschnitt bedeutet alleine nichts besonders. Alles ändert sich, wenn man ihn mit der ursprünglichen Zeugenaussage von Lukas Karabinos vergleicht. Es ist das Vernehmungsprotokoll der Verwaltung der ZNB (Bundespolizei) der Hauptstadt Bratislava Nummer VB-689/10-1976 aus dem Tag 28.9.1976. Dort steht dasselbe, was in der zitierten Anklage angeführt wurde, aber außerdem noch folgendes Detail:
„Bei weiteren Verhören hat er angeführt, dass er den Mann, der ihn am Halskragen gefasst hatte und verprügeln wollte, vom Sehen kennt. Dieser Mann studiert Sport und wohnt im Block K der Atriumhäuser des Ludovit Stur Internates. Konkret hat er die Türnummer 8 genannt…Dem Zeugen Karabinos wurden Fotos der Studenten, die in Block K wohnen, gezeigt. Unter diesen befand sich auch das Foto von Jan Hrma, der tatsächlich auf Zimmernummer 8 gewohnt hatte. Der Zeuge Karabinos hat eindeutig auf den genannten gezeigt. Ich füge hinzu, dass der Zeuge Karabinos ein Alkoholiker mit einem sehr geringen Intellekt ist.“
Jan Hrmo war bei den Ermittlungen des Mordes an Ludmila Cervanova im Jahr 1976 der Hauptverdächtige. Er wurde aber wegen einem eindeutigen und schwer anzweifelbaren Alibis entlassen. Dies bedeutet, dass die Zeugenaussage von Karabinos gegen Hrma evident eine falsche war. Die Ermittler mussten doch im Jahr 1981 wissen, dass dieser Zeuge überhaupt nicht glaubwürdig ist. Wie ist es dann aber möglich, dass aus ihm 1982 ein Zeuge der Anklage gemacht wurde?
Nicht auszuschließen ist, dass gerade solche Zeugen, die das bezeugt haben, was man von ihnen verlangte, für die Staatsanwaltschaft enorm interessant waren. Es ist auch nicht auszuschließen, dass, falls sie nicht genügend Zeugen gehabt hat, einfach welche instruiert hat. Und wir können überhaupt nicht ausschließen, dass wir in der nächsten Folge mehr dazu schreiben.
Exkurs für kluge Köpfe:
- Falls die Anklage solche Löcher hatte, wie ist es möglich, dass ihr die Gerichte und die Öffentlichkeit geglaubt haben?
(richige Antwort: Das Gericht und die Öffentlichkeit haben den Geständnissen einiger Angeklagten geglaubt, die der Hauptteil der Anklage bildeten. Das Gericht und die Öffentlichkeit haben den Angeklagten nicht geglaubt, dass diese Geständnisse mittels systematischen psychischen und physischen Drucks erpresst wurden.)
- Die Ermittler und der beaufsichtigte Staatsanwalt meinen, dass die Geständnisse spontan getätigt wurden, die Verurteilten und viele Zeugen meinen, dass sie erpresst wurden. Kann man feststellen, wer von ihnen Recht hat?
(richtige Antwort: Ja, man kann es sogar sehr eindeutig feststellen. Die Frage lautet nur, ob es die slowakischen Gerichte interessiert. Die Antwort lautet: ES INTERESSIERT SIE NICHT.)
.martin Mojžiš
CSI Kriminalabteilung Bratislava, Artikel "Tyzden Nr.44"
Die slowakische Wochenzeitschrift Tyzden http://www.tyzden.sk/ (die Woche) hat sich in den vergangenen Wochen mit der Cauza "Cervanova" auseinandergesetzt. Ich habe die Erlaubniss bekommen die Reihe von Artikeln zum Thema Cauza "Cervanova" zu übersetzen und in meinem Blog veröffentlichen. Das Magazin Tyzden könnte man inhaltlich zum österreichischen Profil und deutschen Spiegel vergleichen. Selbstverständlich in einer kürzeren Fassung und mit weniger Auflagen. Es ist besonders wichtig, dass die Cauza "Cervanova" von dieser Zeitschrift in mehreren Folgen dargestellt wurde. Hiermit möchte ich mich beim Redakteur des Magazins Martin Mojzis für seine analytische und wissenschaftlich fundierte Beiträge herzlichst bedanken!Originallink: http://tyzden.sk/sk/spolocnost/veda44_01.php
Die TV Serien CSI (crime scene investigation) handeln von der Arbeit forensischer Kriminalisten aus Las Vegas, Miami und New York. Sie sind zwar nicht gerade realistisch, eines kann man ihnen aber lassen – Millionen Menschen wissen dank dieser Serien, welche wichtige Aufgabe die wissenschaftlich fundierten Methoden in der Kriminalistik haben.
Heute kann sich jeder normaler Zuschauer ganz gut vorstellen, welche Bedeutung die Beweissicherung am Tatort hat, welche Details die Leichenobduktion entdecken kann und welche Präzision bei der Auswertung von Beweisen gefragt ist. Es ist heute nicht nur den Professionellen sondern auch für die Laien mehr oder weniger klar, dass die Wissenschaft bei der Entlarvung der Straffälle sehr nützlich sein kann.
Es gibt leider Fälle, wo die Wissenschaft den Kriminalbeamten einen Strich durch die Rechnung macht. So wie es im bekanntesten Kriminalfall der Slowakei, in der Causa Cervanova“ der Fall ist. Es ist ersichtlich, dass es die Kriminalbeamten und der leitende Staatsanwalt mit den wissenschaftlichen Fakten nicht gerade leicht gehabt haben. Wahrscheinlich konnten sie sich nur durch ihre erstaunenswerten moralisch- willenstarken Eigenschaften mit den wissenschaftlichen Unannehmlichkeiten abfinden.
- Leichenobduktion und Gewalt
Wie allgemein bekannt ist, haben die Kriminalbeamten nach fünf Jahren Ermittlungen herausgefunden, dass am 9.7.1976 Ludmila Cervanova von sieben Männern entführt, unter Gewaltandrohung betrunken gemacht wurde, mehrmals wiederholt vergewaltigt und anschließend ertränkt wurde. Der Körper des Opfers wurde anschließend nach fünf Tagen in einem Bach in Kralova pri Senci gefunden. Die Leichenobduktion hat ihnen auf den schweren Weg zu diesen Schlüssen aber nicht gerade geholfen.
Erstes Problem ergab sich dadurch, dass „durch die Ausführliche Obduktion der inneren und äußeren weiblichen Geschlechtsorgane die Gutachter keine Spuren der Gewalt feststellen konnten, die darauf andeuten würden, dass mit der Genannten Geschlechtsverkehr oder andere sexuelle Manipulation getätigt wurde“. Die Beschlüsse der Leichenobduktion waren trotz fortgeschrittener Zersetzung/Verwesungsphase des Leichnams in diesen Fall vollkommen eindeutig. MUDr Porubsky, der die Obduktion getätigt hatte, besteht noch heute darauf, dass sie damals bei der Obduktion überhaupt keine Spuren sexueller Manipulation gefunden haben.
Die Präsenz von Spermien wurde ebenfalls nicht festgestellt, weil diese nicht einmal untersucht wurde. Angeblich wegen des Zersetzung/Verwesung des Leichnams. Damit haben sich die Pathologen nicht gerade ausgezeichnet. Die Präsenz der Spermien, trotz Zersetzung und Verwesungsphase konnte und sollte eigentlich überprüft werden. Nebenbei nennt der Obduktionsbericht bei der Mehrheit der Organe, welche genauen Verwesungsprozesse bereits eingetreten sind. Ausschließlich im Falle der Gebärmutter und der Eierstöcke werden solche Verwesungsspuren nicht genannt. Der Zustand des Hymens ist sogar mit keinerlei Verwesungsspuren sehr eindeutig im Obduktionsbericht beschrieben.
Die nächste Unannehmlichkeit aus der Sicht der Anklage waren die Spuren der Gewalt am Leichnam. Außer zwei kleiner Prellungen, die auch zufällig bei jeder Tätigkeit passieren konnten, wurden keine Spuren der Gewaltanwendung gefunden. Laut Kriminalbeamten und der Staatsanwaltschaft wurde dem Opfer eine Menge an Brutalität angetan – angefangen von gewaltsamer Entführung, gewaltsamer Eingießung von Wein in den Mund und mehrfachen Vergewaltigung bis hin zur Ermordung durch Ertränken.
Wie konnte dies ohne jegliche Spuren passieren? Könnte es dadurch erklärt werden, dass die Spuren der Brutalität für die Pathologen durch die Verwesung der Leiche verdeckt blieben? Wie ist es dann aber möglich, dass die Obduktion zwei kleine Prellungen entdeckt hatte?
In der Frage der Gewalt und der Vergewaltigung befand sich die Wissenschaft und die Anklage in einem Widderspruch. Falls die Version der Kriminalbeamten und der Staatsanwaltschaft wahr ist, dann müsste man zugeben, dass in diesem Fall die Wissenschaft vollkommen versagt hatte. Und umgekehrt.
Trotz scheinbar unüberwindbarer Widersprüche konnten die Pathologen und Staatsanwaltschaft einen gemeinsamen Nenner finden. Der Gutachter MUDr. Porubsky sagte seit dem Gerichtsverfahren im Jahre 1982 folgendes: „die Spuren der Vergewaltigung haben wir zwar nicht gefunden, diese ist aber wegen der Veränderungen auf Grund der Verwesung nicht auszuschließen“. Mit anderen Wörtern gesagt, meint er in seiner Schlüsselaussage, dass die Obduktion, die er durchgeführt hatte, nichts zu sagen hat. In der Hauptverhandlung am 4.2.2003 antwortete er auf die Frage, ob er einräumen könnte, dass es zu einer mehrmaligen Vergewaltigung kommen konnte: „Wir haben solche Spuren nicht festgestellt, darum haben wir es in unserem Gutachten so formuliert, dass der Geschlechtsverkehr mit mehreren Männern auch ohne Gewaltspuren möglich sei“. Auch solche Gutachter haben wir.
- Leichenobduktion und Alkohol
Im Punkto Alkohol war der Obduktionsbericht und die Anklageversion in scheinbaren Einklang: „Im Blut des Opfers wurde 0,79 Promille Alkohol gefunden, was einem alkoholisierten Zustand zum Zeitpunkt des Todes entspricht.“ Wahrscheinlich sind gerade anhand dieses Ergebnisses der Obduktion die Kriminalbeamten auf die Idee der gewaltsamen Alkoholisierung des Opfers gekommen.
Sind 0,79 Promille viel oder wenig? Es ist nicht extrem viel, bei diesen Werten darf man in Großbritannien und Kanada sogar noch Auto fahren.
Diese Zahl sagt aber nicht viel von der Alkoholmenge zum Zeitpunkt des Todes aus. Dies aus zweierlei Gründen: Ersten sinkt die Konzentration von Ethyl- Alkohol im Blut nach dem Tod. Nach fünf Tagen sogar bis auf die Hälfte des ursprünglichen Wertes. Zweitens steigt die Konzentration von Alkohol im Blut als Folge der Verwesung bis zu einem Wert von 1 Promille. Anders ausgedrückt, der gesamte Alkohol, der bei der Obduktion gefunden wurde, stammt aus dem Verwesungsprozess.
MUDr. Fiala macht in seinem gerichtsmedizinischen Gutachten aus dem Jahr 2004 deutlich, dass die ursprüngliche Interpretation der Untersuchung der Ergebnisse vom Ethyl- Alkohol im Blut grundfalsch war, und das Gegenteil „ist aus der gerichtsmedizinischen Hinsicht zu bestätigen, was heißt, dass Ludmila Cervanova zum Zeitpunkt des Todes nicht alkoholisiert war“. Mehr ist dazu nicht zu sagen, weil außer der Überprüfung der Spuren von Spermien noch eine weitere grundsätzliche Untersuchung fehlt, nämlich die toxikologische.
- Leichenobduktion und Mikroorganismen
In der Frage der Todesursache des Opfers, welches mit verbunden Händen in einem Bach gefunden wurde, herrscht zwischen dem Obduktionsbericht und der Anklage Einigkeit. Nämlich die Festlegung der Todesursache durch Ertrinken. Zwar fehlen im Obduktionsbericht viele Befunde, die das Ertrinken normalerweise begleiten, es beinhaltet zumindest das Auffinden von Mikroorganismen in der Leber und in der Lunge, die typisch für stehende und fließende Gewässer sind.
Dies war eine nützliche Erkenntnis. Im Falle einer ausführlichen Analyse der relativen Vertretung einzelner Arten dieser Mikroorganismen und im Vergleich mit der analogischen Analyse der Wasserprobe aus dem Fluss konnte man feststellen, ob das Ertrinken in dem Wasser stattgefunden hatte, in dem der Körper gefunden wurde. Bei der Begutachtung des Fundortes der Leiche wurden zwei Wasserproben entnommen und an die Expertise geschickt. Dies bedeutet, dass die Wissenschaft bei der Überprüfung zumindest bei dieser Tatsache nichts hinderte. Leider wurde nichts Bedeutungsvolles festgestellt, die Analysen der Wasserproben aus dem Fundort sind verloren gegangen und die Analyse der Körperteile war zu grob. Dies war sehr schade, weil anhand der Anklage das Ertrinken nicht im Bach (also Fundort) sondern in dessen Nähe, in einem Thermalsee stattgefunden hatte. Die Anklage hat dies dadurch wiedergutmachen wollen und fünf Jahre später Wasserproben aus dem angeblichen Tatort entnommen. Selbstverständlich haben sie eine Analyse machen lassen. Aus drei der Arten von Mikroorganismen aus dem Thermalsee, wurde nur eine einzige Art in der Lunge und Leber des Opfers gefunden.
Solch eine partielle Übereinstimmung und partielle Nichtübereinstimmung in den Proben, die nach fünf Jahren entnommen wurden, sagt selbstverständlich nichts aus. Beim Gericht wurde dies aber trotzdem als Beweis benutzt, um die Version der Anklage zu stützen. Wie und warum bleibt bis heute ein Rätsel. Obwohl man die Antwort auf die Frage, wieso die Anklage solch kuriose Beweise benutzt hatte, vermuten könnte. Die Anklage konnte ja den Fall doch nicht ohne wissenschaftliche Beweise lassen.
EXKURS: "Für kluge Köpfchen"
- Laut Polizeiprotokolls der Begutachtung des Fundortes, hatte die Leiche die Zehennägel rot lackiert. Dasselbe hat die Ärztin bestätigt, die zur Begutachtung der Leiche am Tatort gerufen wurde. Im Obduktionsbericht steht keinerlei Erwähnung zu dieser Tatsache, wobei MUDr. Porubsky an den Gerichtsverhandlungen in den 90er Jahren behauptete, dass sie keine lackierte Nägel festgestellt haben, und falls doch, dann würde es im Obduktionsbericht und im Gerichtsgutachten drinnen stehen. Kann man daraus schließen, dass die Pathologen einen anderen Körper obduziert haben?
(richtige Antwort: Nein, es musste kein anderer Leichnam sein. Die Möglichkeit, dass sie einen anderen Körper obduziert haben ist zwar logisch aber nicht die einzige Möglichkeit. Außerdem gibt es hier noch eine weniger bizarre Alternative, nämlich dass die Pathologen bei der Obduktion wirklich viel vernachlässigt haben, inzwischen auch solche Trivialitäten.)
- Stellt solch ein schlampiger Obduktionsbericht ein Problem für die Staatsanwaltschaft, die Verteidigung und das Gericht dar?
(richtige Antwort: Für die Staatsanwaltschaft stellt es ein Problem dar. Dass der Obduktionsbericht so wenig mit der Anklage korrespondiert, ist nicht gerade angenehm. Für die Verteidigung stellt diese Tatsache ebenfalls ein Problem dar. Falls der Obduktionsbericht keine eindeutigen Schlüsse beinhaltet, kann jedes Argument der Verteidigung zumindest angezweifelt werden. Für die Gerichte stellt es kein Problem dar.) IN DER SLOWAKEI IST ES SO!
.martin Mojžiš
Dienstag, 4. Dezember 2007
4.Dezember 2007 bedeutet ein Jahr seit der Wiederverurteilung in der Kauza "Cervanova"
Die systematische Beeinflussung der Schicksäle dieser Männer und derer Familien durch die Staatsmacht dauert sein dem Jahr 1981, womit sich dieser Fall wahrscheinlich in die Geschichtsbücher nicht nur der Slowakei, sondern auch Europa, als am längsten dauernde Justizverbrechen der Nachkriegszeit einschreiben wird.
Weiters möchte ich darauf hinweisen, dass zwei dieser Männer schon fast ein Jahr unschuldig inhaftiert sind. http://freejusticeslovakia.blogspot.com/2007/10/kauza-cervanova-part-4-zwei-unschuldige.html
Wochenzeitschrift "Tyzden" zur Kauza "Cervanova"
Das Magazin Tyzden könnte man inhaltlich zum österreichischen Profil und zum deutschen Spiegel vergleichen. Selbstverständlich in einer kürzeren Fassung und mit weniger Auflagen. Es ist besonders wichtig, dass die Kauza "Cervanova" von dieser Zeitschrift fundiert in mehreren Folgen dargestellt wurde. Hiermit möchte ich mich bei dem Redakteur des Magazins Martin Mojzis für seine analytische und wissenschaftlich fundierte Beiträge herzlich bedanken!
In den nächsten Blog Beiträgen folgen die Übersetzungen der Beiträge sortiert nach dem Erscheinungsdatum.
Vielen Dank Redaktion von Tyzden!!!
Samstag, 24. November 2007
Kauza "Cervanova" 24.11.2007, Pressemitteilung
http://spravy.pravda.sk/najvyssi-sud-znovu-otvoril-kauzu-cervanova-fmq-/sk_domace.asp?c=A071124_073336_sk_domace_p04
Sonntag, 11. November 2007
Kauza "Cervanova", True Story PART 4, Zwei unschuldige Männer in slowakischen Gefängnis!

links: Milos Kocurrechts: Milan Andrasik
Diese zwei Männer sind derzeit in Leopoldov inhaftiert. Die genaue Beschreibung der Gründe siehe Beiträge: Kauza "Cervanova" Teil 1 und 2 in diesen Blog.
Nachdem sich der Richter des Obersten Gerichtshofes Michalik verlautbaren ließ, dass er die 2004 gefundenen Geheimakte aus Levoca nicht in betracht zieht und nicht zulässt, weil diese Akte seiner Meinung nach irrelevant sind und die Beweiskette nicht unterbrechen würden kam es am:
4. Dezember 2006 zur Wiederverurteilung:
Oberstes Gerichtshof hat das Urteil von 1982-1983 bestätigt. Die Angeklagten waren nicht bei der Verkündung des Urteiles anwesend. Die Strafen lauten: Milos Kocur 15, Milan Andrasik 15, Stanislav Dubravicky 12, Frantisek Cerman 11, Pavel Bedac 6, Juraj Lachman 3
18.Dezember 2006
gegen 17.00 hat sich Milos Kocur freiwillig zur Haftantritt gemeldet.
19.Dezember 2006
in der Früh wurde die Fahndung nach Milan Andrasik in den Medien ausgerufen. Gegen 19,00 meldet sich dieser freiwillig zur Haftantritt.
Jahr 2007
Am 2,3,4, Februar 2007 unterzogen sich die restlichen Verurteilten: F.Cerman, P.Bedac, S. Dubravicky, J. Lachman einen Lügendetektortest. Diese Tests wurden durch einen US Experten Patrick T. Coffey durchgeführt und hat erwiesen, dass diese 4 Personen die Wahrheit sagen. Herr Coffey ist ein US- Experte der vom Amt für Nationale Sicherheit der Slowakei als Instrukteur für die Ausbildung bestellt wurde. Die Ergebnisse wurden medialisiert und haben eine heftige öffentliche Diskussion ausgelöst. (Medialisierung in der Wochenzeitschrift „Tyzden“)
März 2007
Herr Valasik, Staatsanwalt in den 80er Jahren, derjenige der die Todesstrafe für vier der Angeklagten am Obersten Gerichtshof in den Jahren 1982-83 verlangte, heute ein angesehener Rechtsanwalt tätig in der Tschechei und Slowakei, vertritt den heutigen Präsidenten der Slowakischen Republik Herrn Gasparovic. Herr Präsident nahm Stellung im Sinne: „...wir kennen uns schon seit fast 40 Jahren...“ außerdem figuriert Herr Valasik als Anwalt in mehreren Fällen der Geldhinterziehung, Geldwäscherei. (Kauza BMG, Kauza Horizont, Kauza Rezes) Weitere Einzelheiten von Herr Valasik folgen.
5. Juni 2007
lieferte endlich das Oberste Gerichtshof den schriftlichen Urteil, was von der Seite des Obersten Gerichtshofes seit Dezember 5 mal verschoben wurde. Nur Anhand von diesem schriftlichen Urteil können die zuständige Gefängnisgerichte handeln und die 2 eingesperrten „angeblichen“ Täter demnächst bedingt entlassen.
2. August 2007
haben zwei verschiede Senate desselben Gerichtes im Trnava (Zuständigkeit für Leopoldov Gefängnis) zwei unterschiedliche Urteile abgegeben. Ein Senat hat Milos Kocur (im Leopoldov Gefängnis) und Stanislav Dubravicky (von der Freiheit) bedingt entlassen, ein anderes Senat des selben Gerichtes hat Milan Andrasik nicht bedingt entlassen, die Richterin hat in ihrer Begründung gemeint dass ein Mord ein schweres Verbrechen ist und der Verbleib von Andrasik ein abschreckendes Beispiel sein sollte. Die Staatsanwältin hat sich bezüglich der Entscheidung von Milos Kocur berufen, ebenfalls hat sich der Anwalt von Milan Andrasik berufen. Anhand von der Diskussion in den Medien wurde festgestellt dass es noch NIE in der Geschichte der Slowakei passiert ist , dass ein Gericht in der selben Sache so unterschiedlich entscheidet, aber die Gesetze ermöglichen solche Handlung.
26. September 2007
hat das Landesgericht Trnava in Berufungsverfahren entschieden dass Milan Andrasik in Gefängnis verbleibt.
6. Oktober 2007
tauchen wieder neue Dokumente zur Kauza in den slowakischen Geheimdienstsarchiven (UPN) auf. (Begräbnis der Geschädigten Ludmila Cervanova)
9. Oktober 2007
hat das Landesgericht in Trnava in Berufungsverfahren entschieden, dass Milos Kocur in Haft bleiben muss.
Roman Brazda
Der Zustand von Roman Brazda hat sich seit dem Urteil von 2004 rapid verschlechtert, obwohl er ein Sonderverfahren kriegt. Seine Psychiaterin muss monatlich Bericht von seinem Zustand an das Landesgerichtshof erstatten. Die ehemaligen Polizeibeamten und Ermittler meinen, dass die 6 „angeblichen“ Täter die Psychiater geschmiert haben und aus Roman Brazda einen „Irren“ gemacht haben. (siehe Kauza "Cervanova" Part 1, 2)
Milos Kocur und Milan Andrasik sind zurzeit in Leopoldov inhaftiert. Die Strafe müssen die beiden Männer bis 2011 absitzen.
Mittwoch, 24. Oktober 2007
Kauza "Cervanova" Recherche, Englisch: Slovak Spectator
http://www.slovakspectator.sk/hladaj_resp.asp?hl_text=cervanov%E1&volba=1&order=1&day1=12&month1=11&year1=1995&day2=12&month2=11&year2=2007&cns=15&st=2
Dies kam aus dem Mund des slowakischen Richters, während er sein Urteil begründte. Ist es nicht wahnsinnig?, oder dürfen slowakische Richter solche Sprüche überhaupt offiziell abgeben? Oder ist er sich der Macht so weit bewusst, dass es ihn Nichts ausmacht sollche Sprüche in einem Gerichtssaal zu nutzen?
no comment
"It's a good thing for the accused that Slovakia no longer has the death penalty."
Justice Štefan Michalík, head of the Supreme Court senate that confirmed the guilty verdict against six men accused of raping and murdering medical student Ľudmila Cervanová in 1976.
Wiener Kennzeichen, Artikel Slovak Spectator By Ľuba Lesná, [12/18/2006]

Cervanová witnesses break 30-year silence
LESS THAN a week after the Supreme Court confirmed jail sentences for six men accused of raping and murdering young medical student Ľudmila Cervanová in 1976, a pair of witnesses who saw Cervanová getting into a car with men who did not resemble the accused have come forward.
In an exclusive interview with The Slovak Spectator, a Bratislava husband and wife in their 60s, Veronika and Jozef B., told the newspaper that what they had seen on the night of July 9, 1976 conflicted with the court's verdict.
They also said they had tried to deliver the information to the Supreme Court before it delivered its ruling, which cannot be appealed, but were turned away.
As The Slovak Spectator has reported, the Supreme Court on December 4 confirmed the verdict of a lower court sentencing six men from Nitra for the Cervanová crime, and even raised the jail time of three of the men. Miloš Kocúr and Milan Andrášik had their sentences increased from 13 to 15 years, and Stanislav Dúbravický from 10 to 12.
At the same time, the court failed to take into account 8,000 pages of witness statements and other evidence that police collected from 1976 to 1981, but that was later hidden in a police archives in Levoča, and only rediscovered in 2004. The court decided that it had enough evidence to be sure of the men's guilt without reviewing the additional files.
Veronika and Jozef B. have already once given evidence in this case, on August 23, 1976. Their statement forms part of the ignored Levoča files, although it was not until they recently saw a report on the JOJ TV station featuring defense attorney Allan Bohm that they thought their testimony might prevent a miscarriage of justice.
"On the TV footage we saw excerpts from our witness statements," said Jozef B. "So I decided to testify again. On Thursday, November 30, I went down to the Supreme Court, and the doorkeeper called the court spokeperson, Eva Rupcová, for me. She told me over the phone to wait, and said she would ask the chairman of the senate [the head of the panel of judges ruling on the appeal]. After a few minutes she called me back and said that the chairman had said the giving of evidence was over, and that if I had anything new I should go to the police."
Jozef B.'s words were confirmed for The Slovak Spectator by Rupcová. When the newspaper contacted the chairman of the senate, Štefan Michalík, on his mobile telephone on December 14, he hung up.
"I don't have too much faith in the police," Jozef B. continued, "so I went to the Attorney General's Office. They told me that they would call me, but to this day no one has."
The testimony
Jozef and Veronika described the night Cervanová was murdered for The Slovak Spectator. They said they remembered the date, because it is Veronika's birthday. The pair were waiting for a bus in the Mlynská Dolina student complex around 22:00, after having brought flowers to the nearby grave of their son.
"We could hear the music from the disco near the student hostel at the grave," said Jozef. "It was dark, a little before 10 at night, and we decided to take a bus home. We just missed one, and ended up waiting until about 22:30. About 22:15 we noticed a young girl with a big travel bag walking along the sidewalk. She was very pretty, about 20 years old."
The girl stopped to talk with Veronika. "She asked me if we had seen the bus leave, because she was in a big hurry. She said she was traveling to Košice, and she was afraid she wouldn't catch the last train. She told me that if she saw a car she would try and hitchhike to the train station," Veronika B. told The Slovak Spectator.
Veronika, Jozef and the girl continued to wait at the bus stop, along with two or three other people - young girls going home from the disco, and a drunk man who kept shouting.
Another witness questioned by police, who lived in a nearby house, also said he had heard male shouts on the night Cervanová was murdered.
Just before 22:30, a two-door Volkswagen "beetle" approached the bus stop from a road that led out of the parking lot near the student hostel. The car was travelling slowly and had only its parking lights on. "It stopped a few metres from the bus stop, heading in the direction of the town", said Jozef B. "I don't know if the girl flagged them down or whether they stopped of their own volition. But I noticed that the passenger sitting by the driver had an open window."
The girl approached the car, and spoke briefly with the occupants, whom Jozef and Veronika described as three men. The man in the passenger seat then got out of the car to move his seat forward, holding the door while the girl put her bag in the back and took a seat herself. "We saw them the whole time this was happening, because the interior car light was on while the door was open," said Jozef.
"All three of the occupants of the car had dark skin. It was clear that they were not from our country, not white. They were Arab or black. The one who got out of the car was tall, dark-skinned, with short dark hair. After the girl got in, he put the seat back and got in himself. The car moved off slowly."
Veronika said she had thought it was strange that even though the car was headed to town, it had not turned on its headlights. For that reason, she says, she wrote down the license plate number on a piece of paper. "It started W 24, or 25, I didn't see any more. But it had Austrian plates, from Vienna. The girl got in the car of her own free will."
Jozef added that during the entire 40 minutes the couple waited at the bus stop, no one else left the student hostel, where Cervanová lived.
The colour of the skin of the culprits is significant not only for their identification, but also in terms of a possible motive. Cervanová's father, Colonel Ľudovít Cervan, had been the Czechoslovak military attaché to Syria and Saudi Arabia. At the time his daughter was murdered he was posted to a secret military base in Piešťany where he taught pilots from mainly Arab countries how to use weapons electronics on fighter jets.
Police statement
When the couple noticed a police appeal, several weeks after the night in question, for anyone who knew anything about the kidnapping and murder of Cervanová to come forward, they recognized the victim, and decided to testify. They both had statements taken. Veronika was even shown a photograph of the corpse, which police claimed was Ľudmila Cervanová, although Veronika said, unlike the autopsy report, that the face of the victim was horribly bruised, not swollen from days of immersion in the water.
"She was just a mass of bruises. She wasn't cut up. One policeman also told me she had been found dumped beside a creek, not in the water [as the prosecution claimed]. I couldn't sleep for years afterwards, and I kept seeing that face in front of my eyes. The only thing that told me it was her was her long black hair."
Two weeks after giving evidence, Veronika was leaving a church with her year-old son and an older neighbour. Two men in suits suddenly grabbed her arms and pulled her into a car, claiming that they were police, and that she would have to give evidence again. "I asked them, what kind of police are you?" Veronika told The Slovak Spectator. "If you want to interview me again, come to our place, because I can't leave my son in a baby carriage on the sidewalk."
As people from the church gathered around the car, Veronika says, she managed to open another door and escape. The men did not pursue her.
Two years later, in 1978, Veronika was working for the post office when she received a visit from a policeman who told her not to interfere with the Cervanová case, or she would be sorry. Both she and her husband henceforth stopped concerning themselves with what had happened to their testimony.
"We expected to be called to testify in court, but no one called us," said Jozef. "So we left it at that. My wife was scared."
Break in the case
The six men from Nitra were originally found guilty of the kidnapping, rape and murder of Cervanová in 1982. In 1990, however, the federal Czechoslovak Supreme Court overturned the verdict and returned the case to a lower court for retrial, citing 72 procedural errors that had been made in the original proceedings.
Jozef and Veronika B. said they hoped that the verdict would mean a fresh start for the Ľudmila Cervanová case, but the courts failed to perform any additional measures to secure new evidence. "Sixteen years went by and nothing happened," Jozef said.
Following his recent failure to interest the Supreme Court with his evidence, Jozef B. contacted The Slovak Spectator, saying his conscience would not allow him to remain silent, even though it might be too late, given that the Supreme Court verdict was final.
International human rights groups and media, including the Austrian ORF station, have begun taking an interest in the case since the December 4 verdict, while defense attorney Bohm says he will turn to the Slovak Constitutional Court and the European Court for Human Rights in Strasbourg for redress.
"For me, the fact that 8,000 pages of evidence were found in the Levoča archives is proof that the investigation of the murder of Ľudmila Cervanová was grossly manipulated from the beginning," he said for The Slovak Spectator.
"Evidence was secured that the organs in the criminal justice system knew about, and that they in all likelihood withheld deliberately from the courts."
Donnerstag, 18. Oktober 2007
Kauza "Cervanova" PART 3, häufig gestellte Fragen
Häufig gestellte Fragen:
Politischer Hintergrund der „angeblichen“ Täter
In der ehemaligen CSSR, während des Prozesses in den Jahren 1981-83 wurde die Meinung der Öffentlichkeit durch Halbwahrheiten und Lügen manipuliert. Als Beispiel dient die Annahme, dass sich bei den "angeblichen" Täter um Kinder aus "besseren" Nitra Familien handelt und dass die Eltern der sieben Männer hochrangige kommunistische Funktionäre waren. Dies hat bis Heute zweierlei Bedeutung: erstens haben die Ermittler gemeint, die Gerechtigkeit betrifft ohne Ausnahme Alle, also auch kommunistische Kinder, zweitens hat sich die These oder besser gesagt Mythos von "kommunistischen Kindern" bis heute in den Köpfen der slowakischen Öffentlichkeit verfestigt. Die Wahrheit ist, dass Keiner von den Eltern dieser 7 Männer je eine hohe Position in der kommunistischen Partei gehabt hat und Keiner irgendwie auserordentlich in der KSC (kommunistischen Partei) tätig war.
Auf der anderen Seite waren diese Männer aber auch selbst nicht politisch tätig. Sie waren nie auffälig gewesen, waren auch nicht in der anti-kommunistischen Bewegung, jeglicher Art beteiligt. Diese Männer hatten teilweise nur eine Gemeinsamkeit und zwar die Herkunft. Sie Alle kamen aus der gleichen Stadt nähmlich aus Nitra. In der angeblichen Tatzeit kannten sie sich meist überhaupt nicht.
Einzige Möglichkeit politisches Interesses ergibt sich von der Person des Oberstleutnand Cervan, seiner Funktion bei Militär und seiner Freundschaft zum Chef des Politbüros Gustav Husak.
Leiche, Leichenfund, Identität der Leiche
Die Identität der Leiche ist bis heute umstritten. Es wäre ebenfalls möglich dass die Person immer noch lebt.
Die Leiche wurde: nicht richtig identifiziert, die Obduktion ist schlampig gemacht worden und hat ausgeschlossen dass die Geschädigte vergewaltigt worden ist.Ein unabhängiger Gerichtsgutachter erstellte 2003 anhand des Protokolls der Obduktion ein Gutachten in dem er es widderlegt, dass es sich um eine 19 Jährige gesunde Frau handeln könnte (die Schildrüse hatte angeblich eine Deformation gehabt, die tatsächlich nur bei deutlich älteren Frauen vorliegt) weiters hat die obduzierte Leiche überhaupt keine grösseren Schäden an der Haut (z.B.Rücken) gehabt was dementschprechend heißt, dass es ausgeschlossen ist, dass die Leich vom angeblichen Tatort bis zum Fundort (nach der Version der Anklage) durch einen kleinen Fluss (Bach) 10 kilometer hingeschwommen ist, weiters ist fast ausgeschlossen dass die Leiche nur 5 Tage im Wasser verbrachte, anhand der gründlichen Analyse des unabhängigen Gerichtsgutachter müsste die Leiche mindestens 9 Tage im Wasser gewesen sein.
Die Leiche wurde von einem Dorfbewohner gefunden, dieser hat die "Aufsichtsperson des Flusses" (Staudammbeauftragter) gerufen. Dieser Mitarbeiter der "Staudammverwaltung" hatte zur Aufgabe, fast täglich das Flussbecken zu besichtigen, gegebenfalls dieses zu reinigen. Es passierte oft, dass er Äste, oder grössere Stücke Holz entfernen musste, um das Flußbesken zu säubern. Diese Aufsichtsperson besagt noch heute dass er 2 Tage vor dem Fund der Leiche, sein Teil des Flußes (15 km Abschnitt) besichtigt hatte und keine Auffäligkeiten bemerkt hatte. Bis heute findet er das seltsam, dass die Leiche in seinem Abschnitt gefunden wurde, weil er dies sicherlich bemerkt hätte. Was aber noch erschreckender klingt ist, dass seine Zeugenaussage vom 15.7.1976 aussortiert wurde und in die Militärarchive von Levoca archiviert ist. Diese Zeugenaussage wurde erst 2004 gefunden. http://www.kauzacervanova.sk/j_k/JK01.jpg
Die erste Ärztin und die ersten Polizeibeamten, die die Leiche durchgesucht haben, beschrieb in den Berichten, dass die Fingernägel am Fuß rot lakiert waren. Im Obduktionsbericht ist diese Tatsache nicht geschrieben, obwohl es theoretisch sein sollte. Entweder hat der Obduktionsleiter eine andere Leiche untersucht (weil er laut seiner Zeugenaussage, hätte solche Auffäligkeit gemerkt und protokolliert) oder ist die Obduktion sehr schlampig gemacht worden.
Wieso die Leiche so kurz nach dem Auffinden verbrannt worden ist, ist bis Heute unklar.
Wieso alle Indizien (Beweise vom Fundort) vernichtet worden sind, ist ebenfalls unklar.
Wieso die Staatsanwaltschaft noch immer am Tatmotiv "Vergewaltigung" behaart ist unklar.
Wieso es heute keinerlei objektive Beweise des Fundes der Leiche gibt, ist unklar.
Wieso die Privatsachen des Mädchens in der nähe des Fundortes am Ufer gefunden worden sind, wenn die Leiche laut Anklage 2 Kilometer zum Fundort geschwommen ist?
Kauza "Cervanova", True Story PART 2
Jahr 1989 Zustand der JustizSeit dem Zerfall des Ostblocks beschäftigte man sich auch mit dem Weiterbestand der Justiz und der Besetzung der Stellen. Der Justizminister erließ sogenannte „Definitiven“, die die Richter zu befolgen haben. Aus Personalmangel konnte man die Stellen nicht so leicht ersetzen, darum wurde die alte Struktur beibehalten. Die Richter sollten nach den neuen geltenden demokratischen Gesetzen richten, handeln und entscheiden.
Nach dem Jahre 1989 hat man in der Slowakei einige Versuche, auch die Stellung der Staatsanwaltschaft zu ändern, gemacht. In der Tschechischen Republik wurde zum Beispiel ein Institut von sogenannten „Staatsklägern“ eingeführt. In der Slowakei hatte sich die Stellung des Staatsanwalts in Strafsachen nicht geändert, sie blieb gleich wie vor 1989. Im Gesetz der Staatsanwaltschaft 314/ 1996, das bis heute gültig ist, ist im Paragraph 2 Absatz 2 wortwörtlich geschrieben: „Die Staatsanwaltschaft bildet ein einheitliches, zentral geleitetes und organisiertes System, in dem die Staatsanwälte in den Beziehungen der Unter- und Überordnung wirken und ihre Aufgaben auf Grund des Gesetzes und mit Mitteln handeln, die das Gesetz festlegt.“ Prinzip der Zentral- Führung ist wie eine Versteinerung im slowakischen Justizsystem bis heute geblieben, und sogar in einem heiklen Bereich, wie gerade die Staatsanwaltschaft.
Aufhebung des Urteils 1990
Am19.10. 1990 hat das höchste Gericht der CSFR in einer Strafsache entschieden. Es handelte sich um einen Mord an der Studentin Cervanova im Jahre 1976 in Bratislava. Das Oberste Gerichtshof hat das Urteil vom Jahr 1983 aufgrund über 70 Prozessfehler aufgehoben und die restlichen Verurteilten, die noch im Gefängnis waren, aus der Haft entlassen. (siehe Bild oben: Milos Kocur begrüsst sich mit der Mutter, Zmena, 1990, gerade entlassen vom Gefängniss)
Die Slowakische Staatsanwaltschaft hat diesen Fall zurückbekommen und eine neue Verhandlung am Landesgerichtshof Bratislava wurde angeordnet. Dem Roman Brazda wurde im Jahr 1993 eine Sonderverhandlung angeordnet. Seit diesem Jahre sind immer wieder neue Verhandlungen, Richter und Termine, ohne irgendeinen Erfolg bis ins Jahr 2000 gesetzt worden. Warum es zur solchen Verzögerungen kommen konnte, und warum die Staatsanwaltschaft überhaupt die Anklage nicht zurückgezogen hatte, kann vielleicht die Entwicklung der Politik in der Slowakei nach der Trennung von der Tschechei erklären.
Roman Brazda:
Der R. Brazda leidet bis heute unter schwerer Schizophrenie. Er gestand die Tat, veränderte die Aussagen aber jedes Mal. Am Ende der Untersuchungshaft lebte er schon in seiner eigenen Welt und kommunizierte mit UFOs. Bei den Gerichtverhandlungen im Jahr 1982-83 hat er 11 vrschiedene Versionen der Tat abgegeben. Dies konnte ebenfalls der Grund sein, warum die Verhandlungen nicht öffentlich waren. Vor der Verkündung des Urteiles wurde er von Herr Professor Dobrotka mit der Diagnose einer Nervenkrankheit, möglicherweise Schisofrenie in die Nervenheilanstald in Brno eingeliefert. Nach zwei Monaten wurde er von Herr Dobrotka für gesund erklärt und seine Aussagen als vertrauenswürdig eingestuft. Wie nach 1990 festgestellt hat er die Hälfte (knapp 4 Jahre) der Haftzeit in der Einzelhaft verbracht. Erst nach der Entlassung im Jahre 1990 wurde seine schwere psychiatrische Krankheit anerkannt. Seit 1990 bis heute wurde er 18-mal in einer Nervenheilanstalt hospitalisiert.
Jahr 2000
„...Der Prozess des Jahrhunderts...“ (slowakische und tschechische Presse 2000 – 2004)
Ein Fall, zu dem kein ähnlicher in der 50 Jährigen Geschichte Europas aufzufinden ist.
Erst durch den Wahlsieg der Opposition im Jahr 1998 haben die Angeklagten im Fall Cervanova gewisse Hoffnung gesehen dieses Justizverbrechen endlich als Verbrechen darzustellen. Die Justiz zeigte aber kein Interesse sich mit diesem Fall zu befassen. Hätten sich die Angeklagten nicht ständig beschwert, so wäre es möglich, dass dieser Fall einfach vergessen wäre.
Klage im Strassburg
Im Jahr 2000 haben die Angeklagten eine Klage gegen Staat Slowakei am EU Gerichtshof für Menschenrechte im Strassburg wegen Prozessverzögerungen eingereicht. Die Klage wurde angenommen.
Neues Gesetz
Kurze Zeit später erließ die Slowakische Regierung ein neues Gesetz. Laut dieses Gesetzes muss man vor EU Gerichtshof, eine letzte Instanz des Verfassungsgerichtshofs in Kosice ausschöpfen. Dies hatte zur Folge, dass die Klage im Strassburg zurückgewiesen wurde und die Angeklagten sich an den Verfassungsgerichtshof beschwerten.
Neuer Richter
Im Jahre 2000 wurde dieser Fall einem Richter zugeteilt, der diese Männer schon einmal als Mitglied des Senates im Jahr 1982 verurteilt hatte. Dieser Richter, sowohl auch die Verurteilten erheben Einspruch. Der Oberste Gerichtshof entschied aber, dass die Einsprüche nicht relevant sind. Später wurde ihm der Fall Carvanova angeblich aus gesundheitlichen Gründen entnommen.
Neue Richterin
Im Jahr 2001 hatte die Richterin Smolova den Fall Cervanova zugeteilt bekommen. Eine relativ saubere Person, die es sogar wagte den Haftbefehl an Herr Ivan Lexa (der Geheimdienstchef während Meciar) zu erteilen, nachdem er in Südafrika von Interpol gefunden wurde. Eine höhere Instanz hat aber später entschieden, dass sie dies hätte nicht tun dürfen. Richterin Smolova hat sich verlautbaren lassen, dass sie den Fall Cervanova endlich zur Ende bringen möchte.
Verfassungsgerichtshof
Am 12. 11. 2003 entschied der Verfassungsgerichtshof im Kosice, dass die Rechte der Angeklagten verletzt wurden und ordnete eine Entschädigung von ung. 8000 Euro für jeden der Angeklagten für 13 Jahre Prozessverzögerungen. Diese Tatsache wurde folglich negativ medialisiert. Die Öffentlichkeit wurde wütend, weil diese Summe aus der Staatskassa ausbezahlt wurde.
VERHANDLUNGEN WÄHREND DER JAHRE 2002- 2007
Die Verhandlungen liefen seit dem Jahr 2002 und einige neue Zeugen wurden verhört.
Bombe im Gerichtsgebäude
Ein Beispiel ist der Zeuge Varga der aus der Schweiz in die Slowakei reiste um vor dem Gericht mit seiner Aussage die Grausamkeit der Untersuchung diesen Falls endlich beweisen zu können. Zufällig wurde an dem Tag seiner Zeugenaussage und seiner Ankunft in der Slowakei eine Bombe im Gerichtsgebäude gemeldet. Die Anhörung wurde um ein Tag verschoben, der Zeuge Varga versteckte sich an einem unbekannten Ort.
Er wurde, so wie viele andere, im Zusammenhang zu diesem Fall im Jahr 1981 verhört. Er wurde entführt und verprügelt vor die Wahl gestellt, entweder eine Falschaussage, die die Angeklagten als Täter beschreibt, zu signieren, oder als Mittäter verhaftet zu werden. Später ist er in die Schweiz geflüchtet. Von dort schrieb er schon damals einen umfassenden Brief an das Gericht, die Aussage unter Druck gemacht zu haben. Dies war aber zu der Zeit nicht mehr relevant. Er ist einer von den Zeugen, auf dem ein Haftbefehl ausgestellt wurde. Dieser Haftbefehl und sein urschrüngliches Brief aus der Schweiz befinden sich in den Militärarchiven in Levoca.
Verprügelter Angeklagte
Zufällig wurde ein Angeklagter (Juraj Lachman), während der Verhandlungen am Landesgerichtshof Bratislava, verprügelt. Es könnte in der Verbindung mit dem Fall Cervanova sein. Dieser Angeklagte hatte 1982 und 1983 die niedrigste Strafe bekommen, nachdem er als „universeller Zeuge“(er hat die Taten der übrigen 6 Männer bezeugt, er habe aber während der ganzen Tat angeblich geschlafen, seit der Wende 1989 bestreitet er seine Zeugenaussagen, weil sie unter Folter getätigt waren) aussagte.
Polizeibeamte
Die ehemaligen slowakischen Ermittler und Staatsanwälte wurden vor Gericht ebenso verhört. Herr Valasik wurde der Initiator für eine offizielle Nachricht in den Nachrichtenagenturen im Jahr 2003. Dieses Dokument, unter dem alle der Ermittler und Staatsanwälte unterschrieben sind, bestreitet die gesetzwidrige Führung der Ermittlungen und Gerichtsverhandlungen in den Jahren 1981-83.
Einer der kommunistischen Ermittler, der als Zeuge bei Gericht aussagen musste, meinte vor dem Gerichtsgebäude zu einem der Angeklagten: „. wir hängen euch noch drei Morde an...“
Kriminal- psychologisches Film Bolero
Was die Angeklagten und die Öffentlichkeit nicht wussten, war die Tatsache, dass im Sommer 2003 ein Filmprojekt in der Tschechei entstand. Eine altbekannte, während Kommunismus erfolgreiche Drehbuchautorin Frau Zinnerova trat in den Slowakischen Privatfernseher Markiza im September 2003 in den Hauptnachrichten um 19,00 Uhr auf. Sie beschrieb Ihr Filmprojekt Bolero. Dieser Film wird durch einen Medienkonzern namens Ringier gesponsert, der eine starke Beteiligung an den ost-europäischen Medienmarkt besitzt. Außer von diesen Medienkonzern kommen ung. ½ Million Euro Sponsorgeld von einer Ein-Mann Firma, registriert in der Tschechei. In diesem Interview bezeichnete Frau Zinnerova die Angeklagten, als Täter. Ihrer Überzeugung nach, ist dieser Film eine Genugtuung für die schreckliche Tat. Dies geschah während der Verhandlungen am Landesgerichtshof im Bratislava.
Markiza, Herr Pavol Rusko und Herr Vladimir Lamacka
Warum eine solche Werbung für einen Film gerade in den Hauptnachrichten des einflussreichsten Senders in der Slowakei, während der Verhandlungen ausgestrahlt wurde, ist wieder zu rätseln. Eine vermutliche Verbindung besteht in der Person des Herrn Lamacka. Der ex- Inhaber der TV Station Markiza, der ehemalige Wirtschaftsminister Herr Rusko wird in juristischen Angelegenheiten durch Herr Lamacka vertreten. Herr Lamacka war ein Mitglied der slowakischen Polizeigruppe, die diesen Fall im Jahre 1981 zu Ende konstruierte. Im Jahr 2003 sollte er eine wichtige Position im Innenministerium und Geheimdienst besetzen. Die Angeklagten haben eine Petition an alle Regierungsparteien geschrieben, in den sie diesen Mann als Mittäter der Grausamkeit des Falles Cervanova beschrieben. Anhand dieser Petition wurde diesen Mann keine Position erteilt. Heute (2007) arbeitet Herr Lamacka als Staatsanwalt und Rechtsanwalt in Bratislava.
Gerichtsurteil
Am 20. 1. 2004 bestätigt das Landesgerichtshof in Bratislava das Urteil von den Jahren 1982-1983 verurteilte 6 Männer wegen Freiheitsberaubung, Entführung, Vergewaltigung und Mord an der Medizinstudentin Ludmila Cervanova und verhängt Strafen von 3- 13 Jahren. (Milos Kocur 13, Milan Andrasik 13, Stanislav Dubravicky 10, Frantisek Cerman 11, Pavel Bedac 6, Juraj Lachman 3)
Die Wiederverurteilung anhand von einer Anklage, die in den 80ern und heute kein einziges objektives Beweis enthält. Dieses Dokument enthält nur 4 Kettengeständnisse, die aus den Verurteilten und Zeugen damals einfach erpresst und „rausgeprügelt“ wurden.
Den R.Brazda erwartet wegen schwerer psychiatrischen und onkologischen Erkrankung ein Sonderverfahren.
Keiner von diesen Männern musste 2004 die Haft eintreten, alle Verurteilten haben Berufung eingelegt.
Die Militärakte in Levoca
Den Verurteilten gelang es nach dem Gerichtsurteil vom Landesgerichtshof im Jahr 2004 den Zugang in die Militärarchiv in Levoca, wo sich mehrere volle Kisten mit Materialien zum Fall befinden.
Bis heute wurden zumindest folgende Beweise aufgefunden:
Dass Akte seit dem Anfang der Ermittlungen im 1976 manipuliert wurden und unzählige Zeugenaussagen einfach aussortiert und zum Geheimnis wurden.
Dass Akte der Ermittlungen seit dem Jahr 1977 bis Jahr 1981 fehlen. Diese Dokumente verstecken sich wahrscheinlich in der Tschechei, für möglich halten wir aber auch deren Vernichtung, oder die Archivierung in den Militärarchiven. Als letzte wäre die Möglichkeit der Moskauer KGB Archiven.
Dass unzählige Verhöre ohne Verteidiger getätigt worden sind (was die Polizisten und Staatsanwälte bis heute, sogar vor Gericht bestreiten)
Dass es besonderes Interesse an diesen Fall von den Spitzen des Politbüros und genaue Anweisungen an die Ermittler, über den Verlauf der Verhöre gab.
Die ursprünglichen mehr als 300 Zeugenaussagen, der an dem Konzert vom 9. 7. 1976 direkt Beteiligten von der Zeit gleich nach dem Verschwinden der L.C. Diese Zeugenaussagen beschreiben den genauen Ablauf des Abends bis ins kleinste Detail, und waren bis heute geheim. Keine der Aussagen bestätigt die Teilnahme von den 8 Verurteilten an diesem Konzert. Warum die ursprünglichen Zeugenaussagen aussortiert wurden und bis 2004 geheim gehalten wurden ist mit dieser Tatsache völlig klar geworden.
Es befinden sich dort ungefähr 11 offizielle Haftbefehle archiviert auf verschiedene Zeugen/Personen, die vorsichtshalber bereit gehalten haben. Aus Manchen von dieser Personen haben die Ermittler tatsächlich in den Jahren 1981-82 Zeugen gemacht.
Oberstes Gerichtshof nach 2004
Oberstes Gerichtshof sollte als nächster Instanz verhandeln. Ein weiterer Zufall ist, dass der jetzige Vorsitzende des Obersten Gerichtshofes jener Richter ist, der 1986-1987 (also noch im Kommunismus und in der Zeit der Nominierung der Forscher der DNA Analyse für ein Nobelpreis) alle übrigen materiellen Beweisstücke (z.B. Seil mit dem die Hände der Leiche verbunden waren) mit seiner Unterschrift zerstören ließ. Die heutige Konsequenz daraus ist, dass es keine Möglichkeit gibt, mittels DNA Analyse materielle Beweise zu untersuchen und dass dieser Richter ein Teil der kommunistischen Justiz war.
Nach dem Gerichtsurteil 2004
Am 20. 5. 2004 kam der Film Bolero in die slowakischen Kinos.
In einigen Medien wird der Film in den Zusammenhang mit diesen Fall dargestellt, obwohl es vorhin starke Proteste sogar Klagen gab. Die Beteiligten suchen sich nun nur die Wörter der Propaganda besser aus, damit es juristisch in Ordnung ist. Beispiel aus der Tageszeitung: Der Staatsanwalt: „…Ja, dieses Drehbuch entspricht der Anklage…“
13.12.2005 Sollte der Oberste Gerichtshof verhandeln. Der Vorsitzende des Senates Judr. Michalik hat verlautbart dass er sich nicht mit den Akten aus Levoca beschäftigen wird. Die Verteidiger haben seine Entscheidung angefochten, weil es gegen die Gesetzte vorstoßt. Diese Akte müssen nach den geltenden Gesetzten eigentlich ein Teil der Gerichtsakte sein. Die Verhandlung wurde unterbrochen.
Oberstes Gerichtshof Jahr 2006
29.11.2006 Schlussreden von Verteidigern und Angeklagten wurden beim Obersten Gericht vorgetragen.
4.12.2006 Oberstes Gerichtshof hat das Urteil von 1982-1983 bestätigt. Die Angeklagten waren nicht bei der Verkündung des Urteiles anwesend. Die Strafen lauten: Milos Kocur 15, Milan Andrasik 15, Stanislav Dubravicky 12, Frantisek Cerman 11, Pavel Bedac 6, Juraj Lachman 3)
11.12.2006 Meldete sich ein Ehepaar bei einem Verteidiger, ein gewisser Herr B. und Frau B. Sie behaupten, sie hätten die Geschädigte gesehen und können alles bezeugen. Tatsächlich befinden sich Ihre ursprünglichen Aussagen vom Jahr 1976 im Militärarchiv in Levoca. Die Geschädigte sollte freiwillig in ein VW Käfer, weißer (orangen) Farbe mit einem Wiener Kennzeichen (Anfangsbuchstaben W24 oder 25) einsteigen. Die Männer in dem Fahrzeug hatten dunkle Haare und dunkle Hautfarbe. Auf die Frage, warum sie nie aussagen waren, antworteten sie, dass sie in der damaligen Zeit Angst gehabt hatten, weil sie bedroht wurden und sowieso nie zum Gericht gerufen sind. Vor dem Urteil nämlich am 30.11. 2006, hat der Herr B. persönlich den Senatsvorsitzenden am Obersten Gerichtshof verlangt, dass er mit seiner Frau Zeugen sind und aussagen wollen. Die Sprecherin Frau Rupcova hat ihm per Telefon von Portier gesagt, dass der Fall schon abgeschossen ist und falls er etwas neues hat, soll er zur Polizei gehen. Der Polizei hat er nicht viel geglaubt und ist zur Generalstaatsanwaltschaft gegangen, dort haben sie ihm gesagt, dass sie ihm zurückrufen, was aber bis heute nicht passiert ist.
Frau B.- ursprüngliche Aussage vom Jahr 1976, befindet sich in den Archiven in Levoca:
Herr B. ursprüngliche Aussage vom Jahr 1976, befindet sich in den Archiven in Levoca:
Frau und Herr B. meinen noch Heute, es wurden Ihnen jeweils 5 Fotos von einer grauslich zugerichteten Leiche gezeigt. Diese Fotos sind bis Heute verschwunden.
Verhaftungen 2006
Am 18.12.2006 gegen 17.00 hat sich Milos Kocur freiwillig zur Haftantritt gemeldet.
Am 19.12.2006 in der Früh wurde die Fahndung nach Milan Andrasik in den Medien ausgerufen. Gegen 19,00 meldet sich dieser freiwillig zur Haftantritt.
Jahr 2007
Am 2,3,4, Februar 2007 unterzogen sich F.Cerman, P.Bedac, S. Dubravicky, J. Lachman einen Lügendetektortest. Diese Tests wurden durch einen US Experten Patrick T. Coffey durchgeführt und hat erwiesen, dass diese 4 Personen die Wahrheit sagen. Herr Coffey ist ein US- Experte der vom Amt für Nationale Sicherheit der Slowakei als Instrukteur für die Ausbildung bestellt wurde. Die Ergebnisse wurden medialisiert und haben eine heftige öffentliche Diskussion ausgelöst. (Medialisierung in der Wochenzeitschrift „Tyzden“)
März 2007
Herr Valasik, Staatsanwalt in den 80er Jahren, derjenige der die Todesstrafe für vier der Angeklagten am Obersten Gerichtshof in den Jahren 1982-83 verlangte, heute ein angesehener Rechtsanwalt tätig in der Tschechei und Slowakei, vertritt den heutigen Präsidenten der Slowakischen Republik Herrn Gasparovic. Herr Präsident nahm Stellung im Sinne: „...wir kennen uns schon seit fast 40 Jahren...“ außerdem figuriert Herr Valasik als Anwalt in mehreren Fällen der Geldhinterziehung, Geldwäscherei. (Kauza BMG, Kauza Horizont, Kauza Rezes)
5. Juni 2007
lieferte endlich das Oberste Gerichtshof den schriftlichen Urteil, was von der Seite des Obersten Gerichtshofes seit Dezember 5 mal verschoben wurde. Nur Anhand von diesem schriftlichen Urteil können die zuständige Gefängnisgerichte handeln und die 2 eingesperrten „angeblichen“ Täter demnächst bedingt entlassen.
2. August 2007
haben zwei verschiede Senate desselben Gerichtes im Trnava (Zuständigkeit für Leopoldov Gefängnis) zwei unterschiedliche Urteile abgegeben. Ein Senat hat Milos Kocur (im Leopoldov Gefängnis) und Stanislav Dubravicky (von der Freiheit) bedingt entlassen, ein anderes Senat des selben Gerichtes hat Milan Andrasik nicht bedingt entlassen, die Richterin hat in ihrer Begründung gemeint dass ein Mord ein schweres Verbrechen ist und der Verbleib von Andrasik ein abschreckendes Beispiel sein sollte. Die Staatsanwältin hat sich bezüglich der Entscheidung von Milos Kocur berufen, ebenfalls hat sich der Anwalt von Milan Andrasik berufen. Anhand von der Diskussion in den Medien wurde festgestellt dass es noch NIE in der Geschichte der Slowakei passiert ist , dass ein Gericht in der selben Sache so unterschiedlich entscheidet, aber die Gesetze ermöglichen solche Handlung.
26. September 2007
hat das Landesgericht Trnava in Berufungsverfahren entschieden dass Milan Andrasik in Gefängnis verbleibt.
6. Oktober 2007 tauchen wieder neue Dokumente zur Kauza in den slowakischen Geheimdienstsarchiven (UPN) auf.
(Begräbnis der Ludmila Cervanova)
9. Oktober 2007 hat das Landesgericht in Trnava in Berufungsverfahren entschieden, dass Milos Kocur in Haft bleiben muss. Der Zustand von Roman Brazda hat sich seit dem Urteil von 2004 rapid verschlechtert, obwohl er ein Sonderverfahren kriegt. Seine Psychiaterin muss monatlich Bericht über seinen Zustand an das Landesgerichtshof erstatten. Die ehemaligen Polizeibeamten und Ermittler meinen, dass die 6 „angebliche“ Täter die Psychiater geschmiert haben und aus Roman Brazda einen „Irren“ gemacht haben.
Milos Kocur und Milan Andrasik sind zurzeit in Leopoldov inhaftiert. Die Strafe müssen die beiden Männer bis 2011 absitzen.
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